Reisebericht 33 Chile Teil 2 der Süden Drucken E-Mail

Flagge ChileUnser nächstes Ziel im chilenischen Teil von Patagonien ist Punta Arenas, die südlichste Kontinentalstadt der Welt.

 

Obwohl quasi am Ende der Welt gelegen und ursprünglich als Militärstützpunkt und Strafgefangenenkolonie gegründet, entwickelte sich Punta Arenas bald zu einer wichtigen Hafenstadt. Denn bis zur Eröffnung des Panama-Kanals im Jahre 1914 nahmen alle Schiffe die Route durch die von Fernando Magellan entdeckte Ost-West-Passage. Später kamen dann die Einwanderer aus Europa, die 1876 die Erlaubnis zur Schafzucht erhielten. Mit den Schafen kam auch der Aufschwung in der Region, unter dem Motto „Alles war Schaf“ wurden nachfolgend auch die goldenen Jahre von Punta Arenas eingeläutet. Die Besitzer der riesigen Schaf-Estanzias der Umgebung liessen sich repräsentative Häuser im Stadtzentrum erbauen. Heute boomt hier, wenn überhaupt, nur noch der Tourismus und die Freihandelszone.

Nach einer kalten regnerischen Nacht folgt ein windiger sonniger Tag, den wir für einen Besuch im Zentrum ausnutzen. Beim Coiffure im Hafenviertel lasse ich mir für umgerechnet 17 CHF eine neue Frisur verpassen. Das erste Mal auf der Reise, bisher hat Adriano als selbsternannter Figaro mir die Haare mit der Küchenschere geschnitten. Die neue Frisur passt gut und auch die Friseuse hat Freude endlich einmal einer echten Blondine die Haare schneiden zu können. Trotz des verlockenden Angebots schwört Adriano aber weiterhin auf sein elektrisches Haarrasiergerät das er so alle drei Monate benutzt.

Am Nachmittag besichtigen wir den Friedhof, der inzwischen zum Nationaldenkmal erklärt worden ist. Denn hier kommt der verflossene Reichtum erst richtig zur Geltung, wär Geld hatte baute sich hier ein haushohes Mausoleum hin und bewahrte darin die ganze Familie auf. Die einstmals zu der reichsten Schafzucht-Familie gehörenden Brauns, baute sich sogar rund um das monumentale Mausoleum ein Garten, bei dem ein Schweizer Einfamilienhaus-Besitzer neidisch werden kann. Der Block aus schwarzem Marmor, der das Mausoleum der Braun-Menéndez Dynastie darstellt, denen neben Estanzias auch noch Kohlenbergwerke, Lagerketten, Handelsschiffe und ein Bergungsunternehmen gehörten ist nach unserer Ansicht auch ein wenig übertrieben. Denn was haben die Leichen noch von dem ganzen Luxus in dem sie liegen, den Anlass eine barocke Gruftieparty abzuhalten? Der Klassenunterschied wird einem hier klar vors Auge geführt, während die Reichen in ihren verriegelten Mausoleums mit eigenem Altar liegen, werden die Särge der Ärmeren in eine Mauer am Rande des Friedhofs einbetoniert. Nur noch die teils liebevollen Dekorationen in den Schaukästen davor, werten die dahinterliegenden Gräber ein bisschen auf.

Wir wollen diesen geisterhaften Friedhof noch vor einsetzender Dunkelheit verlassen, man weiss ja nie, was sich die Leichen für gruselige Spielchen zur Geisterstunde einfallen lassen. Da ist das Regionalmuseum, das einstige Stadthaus der reichsten Viehzuchtfamilie schon viel angenehmer. Maurico Braun und Josefina Menéndez, beide aus wohlhabenden Familien stammend, liessen sich das feudale Haus nach ihrer Hochzeit erbauen. Im Entree bekommen wir erst mal Überzüge für unsere Schuhe, damit wir den edlen Parkettholzfussboden nicht zerkratzen. Anschliessend öffnen sich Türen, die uns mittendurch die noble Behausung der damaligen Oberschicht führen. Alles selbstverständlich nur aus den edelsten Materialen und eigens über den Atlantik herbei geschifft: die Tapeten und seidenen Vorhänge aus Frankreich, der Marmor der hier in verschieden Farben nicht gerade sparsam eingebaut wurde aus Italien, die bequemen lederbezogenen Sessel aus England und die vergoldeten Kamingitter aus Flandern. Von der Kunst an den Wänden bis hin zur Seifenschale im Badezimmer kam nur das Teuerste und Beste in Frage. Auch den Blick in die Küche, die sich im Untergeschoss befindet und zur damaligen Zeit nur so vor Moderne strotzte, wollten wir uns nicht entgehen lassen.

Der kalte Wind der von der Magellanstrasse her weht, veranlasst uns zur frühzeitigen Rückkehr ins Fahrzeug. Wie in der Villa der Braun-Menéndez besitzen auch wir eine Zentralheizung, lediglich aus nicht so edlem Material dafür aber leicht und sogar mit Bodenheizung. Obwohl es jetzt Sommer ist, fallen nachts die Temperaturen bis auf 4° runter.

Patagoniens weite Pampa hat uns wieder, erst bei den letzten 50 km vor Puerto Natales ändert sich die Landschaft in Bäume und Seen um. Leider ist hier ein grosser Teil des einstigen dichten Waldes zwecks Schafzucht gerodet worden.

Puerto Natales das kleine Hafenstädtchen liegt am Fjord Ultima Esperenza, der letzten Hoffnung, was auch gut passt für diese Siedlung aus farbigen Holzhäuschen mit den typischen Wellblechdächer, denn Ziegelsteine wären bei diesen heftigen Windböen lebensgefährlich. Im kleinen Supermercado (Lebensmittelladen) werde ich freundlich von einer schwarzen Katze begrüsst, die mir augenblicklich um die Beine streicht, anscheinend gehören hier Haustiere wie die dargebotene Ware zur Geschäftsausstattung. Noch etwas Sonderbares fällt mir beim Gemüsehändler auf, da sticht mir doch so eine fremde Gemüsesorte ins Auge, die ich beim genaueren Hinschauen als ein Bündel Seegras entlarve. Wie um Himmelswillen soll man das zähe Seegras das den Seelöwen als Matratze dient in der Pfanne zart hinkriegen, etwa geschmort in einer Tomatensauce mit Meeresfrüchten, damit der Gout übereinstimmt? So Lange ich auch nach Hirne und meine Kochbücher gedanklich durchgehe, will mir einfach kein gängiges Seegrasrezept einfallen. Zudem wird Adriano auch nicht sonderlich begeistert sein, wenn ich ihm mitteile, das es heute anstatt Schmorbraten mit frischem Gemüse, geschmortes Seegras gibt. So lasse ich es schlussendlich bleiben und greife zu mir vertrauten Gemüsesorten zu.

Der berühmte Nationalpark Torres del Paine liegt nur wenige Kilometer von der Ortschaft entfernt und unterwegs begegnen wir Touristen und Reisenden jeglicher Art. Die Tramper lächeln uns in der Hoffnung auf eine Mitfahrgelegenheit zu, die Fahrradreisenden nicken oder winken je nach Wetter und die Motorradreisenden kämpfen sich in einer Schräglage durch den heftigen Wind und Lichthupen zur Begrüssung. Nicht zu vergessen die zahlreichen Fahrzeugreisenden, die von den schlichten VW-Bussen bis hin zu den aufwendig angefertigten Expeditionsfahrzeugen hier anzutreffen sind.

Bei der Kreuzung, die gerade aus weiter zum Nationalpark führen würde biegen wir aber rechts in Richtung See ab. Der Grund dafür liegt in den überwucherten Preisen die hier von den Ausländern verlangt werden, 30 CHF Eintritt pro Person werden für diesen von Touristen, im wahrsten Sinne des Wortes, überrennten Nationalpark verlangt, dazu kommen dann nochmals 20 CHF für den von Rotel und Co. vollbesetzen Campingplatz. Das ist für südamerikanische Verhältnisse die reinste Abzockerei, denn der eigentliche Höhepunkt des Nationalparks, die berühmten steil aufragenden Berge mit den kennzeichnenden Nadelspitzen sind gerade so gut, wenn nicht besser von ausserhalb ersichtlich. Wieso auch so viel Geld in die Hand nehmen wenn es kostenlos geht, denn auf tagelanges Wandern oder im Modewort ausgedrückt trekken haben wir hier sowieso keinen Bock.

Wir fahren weiterhin um den Lago del Toro herum, bis wir endlich eine Sicht auf das Torres del Paine Massiv erhaschen können, doch leider sind die Bergspitzen wie meist hinter den Wolken verdeckt. So setzen wir die Fahrt zur Lagune Amarga fort und können von Glück sagen, dass wir unser selbstgebasteltes Gitter für die Frontscheibe montiert haben, denn tatsächlich trifft uns erneut ein grosser Stein, der aber dank des Netzes abgefedert wird und im hohen Bogen davon fliegt.

Nach einer sternenklaren Nacht am Ufer der Lagune folgt ein wolkenfreier, sonniger Morgen mit einer grandiosen Sicht auf das gesamte Torres del Paine Massiv. Für Adriano der richtige Zeitpunkt um bei den morgendlichen Lichtverhältnissen zu filmen und fotografieren. Wenig später tauchen weit am Himmel oben auch noch vier schwarze Punkte auf, die sich uns langsam nähern, es sind Kondore die entlang der Hügel in der aufsteigenden Thermik segeln. Für uns wird es jetzt aber Zeit und wir steuern die Kaskaden im Río Paine (Fluss) an. Eine mehrstufige Felstreppe erwartet uns hier, auf der das eisige Gletscherwasser in einer weissen spritzenden Gischt herab stürzt. Wir gelangen weiter entlang der Schotterstrasse zum weniger besuchten Teil des Parks, in den sich auch die Tiere zurückgezogen haben.

Der Grenzübergang nach Argentinien liegt zwischen den sanften Hügel der hier mit Gräsern bewachsener Pampa. Die in der Landschaft verstreuten und riesen grossen Schafestanzias können wir nur anhand der kerzengeraden Pappeln erkennen, die als verlässlichen Windschutz der Landgüter dienen. Am Ortseingang von Calafate, bei der üblichen Polizeikontrolle, werden wir mit einem Salutgruss empfangen, tatsächlich halten die uns wieder mal für einen Rotkreuz-Krankenwagen. Eigentlich hätten wir besser das Suiza, das unterhalb des Schweizerkreuzes auf der Alkove klebt, weggelassen und dafür ein Blaulicht auf das Dach montiert. So wären vermutlich die mühsamen Begegnungen mit der korrupten Polizei ausgeblieben.

Der Campingplatz mitten im Touristenzentrum von Calafate ist uns nach Tagen in der Einsamkeit zu laut und wir ziehen daher zum Übernachten das ruhigere Vogelschutzgebiet an der Lagune Nimes vor. Trotzdem dröhnt der Lärm der Bars und Discos bis spät in die Nacht zu uns, 2km entfernt, hinüber.

Am nächsten Tag schauen wir auf dem Municipal Camping in Calafate vorbei und entdecken den Zebramuster Landrover von Sylvia und Frank, die wir in La Paz Bolivien kennengelernt haben.

Erst am frühen Abend verabschieden wir uns von den Beiden und fahren vollbeladen mit Wasser und Essen zum Nationalpark Los Glaciares. Am Eingang empfängt uns ein junger Schnösel und kassiert schnell mal 150 Pesos (40 CHF) ein, was dem dreifachen Preis entspricht, der ein Argentinier zu bezahlen hat. Müssten in der Schweiz die ausländischen Touristen mehr als die Schweizer bezahlen, so würde dies als Skandal betitelt werden. Trotzdem wollen wir uns dieses Naturdenkmal auf keinen Fall entgehen lassen, denn auf den Perito Moreno Gletscher freuen wir uns schon, seit wir uns in den Kopf gesetzt haben die Panamericana zu bereisen.

Nun stehen wir vor dem blauweissen Naturwunder und können es nicht mal richtig geniessen, denn es regnet in Strömen und ist zudem saukalt. Wasserfest von Kopf bis Fuss eingepackt stehen wir vor dem 60 Meter hohen Gletscher und dessen 4 km langen Abbruchstelle die sich aus dem Lago Argentino erhebt. Die Gletscher im Nationalpark Los Glacieres, bilden die grösste zusammenhängende Eismasse ausserhalb der Polregionen und gehören erfreulicherweise zu den wenigen wachsenden Gletschern weltweit.

Wir warten tagelang auf besseres Wetter, verbringen den Tag mit lesen, Touristen anschauen und natürlich den Spaziergängen zum Gletscher. Gespannt verfolgen wir auf der Aussichtsplattform das Kalben des Gletschers, vom ersten Knacken bei dem sich Risse im Gletscher bilden, der minutenlangen Erstarrung danach, bis zum Moment, bei dem an einer Stelle unter ohrenbetäubenden Lärm ein Eisblock abbricht und in den milchig blaugrünen See stürzt.

In der Nacht, wenn die zahlreichen Touristen weg sind und das Restaurant geschlossen ist, stehen wir mit unserem Fahrzeug alleine auf dem Parkplatz. Wir staunen ab der sensationellen Geräuschkulisse des Gletschers, die in der Nacht um einiges lauter Kracht als während des Tages. Immer wieder schrecken wir auf und denken dann für uns „Wow, das war jetzt aber ein grosser Brocken“.

Nach vier Tagen und drei Nächten auf dem oberen Parkplatz beim Perito Moreno Gletscher wird das Wetter einfach nicht besser, eigentlich immer schlimmer und kälter. Wir entscheiden uns daher den Nationalpark zu verlassen und auf dem gratis Campingplatz am Lago Roca auf besseres Wetter zu hoffen. Wohlig warm sitzen wir im Troopy, als auf einmal Motorengeräusche zu vernehmen sind, komisch, wir stehen hier weit abgelegen als einzige auf der Wiese. Wir schauen nach draussen und erkennen den grünen Syncro VW Bus von Anne und Mike, die wir ebenfalls in La Paz kennengelernt haben. Gemeinsam verbringen wir einen gemütlichen Abend, sitzen zu viert im Troopy trinken Wein und tauschen unsere Erlebnisse aus.

Am nächsten Morgen werden wir von der Sonne geweckt, das gibt es doch gar nicht denke ich, hätten wir eine Nacht länger auf dem Parkplatz beim Gletscher verbracht , dann könnten wir den jetzt bei schönem Wetter betrachten. Anne und Mike sind früh morgens schon weitergezogen und wir stehen da und fragen uns, was wir machen sollen. Naja, nochmals in den Park reinfahren heisst erneut 40 CHF Eintritt bezahlen, irgendwie muss es auch anders klappen. Wir entscheiden uns zurück zum Nationalparkeingang zu fahren, um dort unser Glück im geschickten Verhandeln heraus zu fordern. Wahrlich es klappt, nach zehnminütigem feilschen und einem chinesischen Taschenmesser (1.49 CHF) aus unserem Reptilien-Fond, dürfen wir nochmals gratis auf den oberen Parkplatz fahren und den Gletscher auch bei strahlendem Wetter geniessen.

Von Weitem erkennen wir schon den 3‘405 Meter hohen Fitz Roy Berg, im gleichnamigen Massiv, das mit seinen spitzen Granitzacken in der flachen Pamparegion eine gelungene Abwechslung bietet. Wir fahren ins kleine Dorf El Chaltén und fühlen uns umgeben von den Bergen mit Schneefeldern und den milchigen Gletscherflüssen wie in den heimatlichen Alpen. Das schnellwachsende im Chalet-Stil errichtete Dorf, das erst 1985 gegründet worden ist, finden wir jedoch nicht so verlockend und fahren gleich weiter auf einer Schotterpiste zum Lago del Desierto (See). Ein unglaublich glasklarer Fluss mündet beim Strassenende in den See und lockt viele Fischer an, zum Schwimmen ist das Gewässer jedoch zu kalt. Den nächsten Tag verbringen wir somit nicht mit Baden sondern mit einer knapp 2 stündigen Wanderung zum Hängegletscher Huemul. Der Weg zum Gletscher führt durch privates Land einer Estanzia, und wie das so ist, in dieser touristischen Gegend, müssen wir auch hier fürs Wandern bezahlen. Dies erledigen wir einem der beiden Ranger, der anhand seines wohlgenährten Aussehens El Gordo (der Dicke) genannt wird. Bei Rückkehr der Wanderung erleben wir dann El Gordo in seinem Element, nämlich gegrillte Würstchen vertilgen, die er kurz darauf mit einer Zigarette und einem kleinen Nickerchen auf dem Picknicktisch verdaut. Ein beneidenswerter Job...

Am gleichen Abend fahren wir zurück zum Ausgangspunkt für die ca. 9 stündige Wanderung zum Sendero Laguna de los Tres und übernachten dort auf dem Parkplatz.

Wir wandern am sonnigen Morgen, ausgestattet mit warmer Kleidung, festen Wanderschuhen und einer Tagesration an Sandwiches und Wasser Richtung Bergmassiv los. Wie vor etlichen Jahren als wir mit den Klassenkameraden auf der Schulreise unterwegs waren, haben wir auch heute das Taschenmesser, was auf gut Schwyzerdütsch das Sackmesser ist, den Regenschutz, denn in den Bergen sind unerwartete Wetterumschläge keine Seltenheit, nicht vergessen einzupacken. Wir wandern mit Israelis, Deutschen und weiteren wanderfreudigen Nationen gemeinsam auf dem Pfad. Der Weg führt anfänglich in einer angenehmen aber stetigen Steigung durch den Wald aufwärts, später durch eine flache Moorlandschaft an glasklaren Bächen vorbei. Nach dem wir den gutbesuchten Campingplatz Poincenot erreicht haben, machen wir im trockenen Flussbeet eine Pause, verzehren unsere Sandwichs und trinken frisches Gletscherwasser direkt aus dem Bach. Um die Gletscherlagunen am Fuss des Massivs zu erreichen, müssen wir weitere 400 Höhenmeter hinaufsteigen, und dies auf einem im Zickzack angelegten Pfad durchs Felsgeröll. Im gleichmässigen langsamen Tempo bringen wir die letzten 1¾ Stunden hinter uns und sind heilfroh, dass wir die Wanderschuhe von unserer Dachbox herunter geholt haben, denn auf diesem losen Geröll geben sie uns den gewünschten Halt. Die Anstrengung war nicht umsonst, oben angekommen erwartet uns, neben Massen von Touristen, eine blaugrüne Gletscherlagune umgeben von Schneefelder und Hängegletscher der direkt vor uns aufragenden Zacken des Fitz Roy Massivs.

Für den Rückweg nach El Chaltén brauchen wir weitere 5 Stunden und erreichen bei tiefstehender Sonne fix und fertig den Parkplatz. Mit einer heissen Dusche im Troopy und einem riesen Teller Spaghetti beenden wir den aktiven Wandertag. Der Muskelkater meldet sich, wie erwartet, pünktlich am nächsten Morgen beim Kaffee an.

Bei beginnendem Regen verlassen wir El Chaltén und fahren auf der berüchtigten Route 40 Richtung Norden. In Tres Lagos machen wir einen kurzen Tankstopp und bunkern unsere Tanks voll. Denn uns erwartet eine Strecke von rund 400 km Schotterstrasse bis nach Bajo Caracoles. Dazwischen mit einer einzigen Tankstelle, die sich in Gobernador Gregores befindet, einem zusätzlichen Abstecher von rund 70 Kilometern, den wir aber vermeiden wollen. Wie wir von anderen Reisenden, ob mit Velo oder Auto, erfahren haben soll hier die Strasse aus groben Faust grossem Schotter bestehen. Na dann, können wir uns schon vorweg mal auf eine weitere Rüttel- und Schüttelpartie freuen. Dies trifft auch auf die ersten 70 km bis zur Abzweigung zum Lago Cardiel zu, nur das der Schotter zwar relativ grob ist, jedoch nicht so arg wie aus den Erzählungen. Da es immer noch regnet und wir nur langsam vorwärtskommen, möchten wir beim Lago Cardiel einen Übernachtungsstopp einlegen. Die Stichstrasse zum See ist aber vom Regen dermassen aufgeweicht das wir trotz 4x4 und Untersetzung arg ins Rutschen geraten, ferner ist die Strasse in den Kurven, einer Kinder-Carrera-Rennbahn ähnlich, schräg und steil gebaut. Wie soll man hier noch fahren, wenn das Reifenprofil gefüllt ist mit Schlamm zehn Zentimeter tief im ganzen Brei versinkt und das Heck des Fahrzeuges ständig versucht zu überholen? Nach mehreren Kilometern Allrad-Abenteuer haben wir die Nase gestrichen voll, wenden bei der nächstbesten Möglichkeit und fahren zurück auf die Route 40.

Auf der Suche nach einem neuen Übernachtungsplatz fahren wir gen Norden und treffen auf weitere schlammige Zufahrtstrassen, auf die wir es aber nicht mehr wagen wollen. Bei der Route 29, einer Abkürzung der Route 40, wird es sogar richtig gefährlich, denn hier auf einem kurzen Abschnitt fühlt sich die Strasse wie Schmierseife an und verläuft zudem noch über enge Kurven leicht bergab. So erstaunt es uns nicht weiter, dass wir tiefe Fahrspuren von Autos sehen, die wahrscheinlich mit überhöhter Geschwindigkeit die Kontrolle über ihr Fahrzeug verloren haben und seitlich in den Lehmmatsch abgerutscht sind. Vorsichtig passieren wir die heiklen Schlammstellen, glücklicherweise kreuzen uns nur noch wenige Autos, und wenn dann sind es ausschliesslich geländegängige Fahrzeuge. Von wegen grober Schotter, aufgeweichter Lehm der sich in Schlamm umwandelt stellt bei diesem feuchten Wetter eine Behinderung dar. Petrus schliesst gottseidank am späten Abend die Schleusen. Die ersten Tiere wagen sich auch wieder aus ihren Bauten heraus und trinken reichlich aus den Pfützen, die sich mitten auf der Piste gebildet haben. Gegen Mitternacht finden wir endlich bei der Abzweigung zum Nationalpark Perito Moreno neben der Strasse einen Übernachtungsplatz mit halbwegs festem Untergrund. Nach einem Schnellimbiss legen wir uns ins Bett und fallen augenblicklich in einen Tiefschlaf.

Am Morgen begutachten wir unser Fahrzeug, Troopy sieht aus als hätte er ein Rallyrennen hinter sich. Adriano befreit ihn so gut wie möglich von den gröbsten Schlammklumpen, noch während dieser Säuberungsaktion hält ein holländisches Paar mit einem Landcruiser an. Die Holländer kommen gerade aus dem Nationalpark Perito Moreno und berichten uns von der schlammigen Lehmpiste im und zum Park. Wie es der Zufall auch will, stoppen kurz darauf sechs Franzosen im Mietauto, ein Toyotabus mit Schweizerkennzeichen und ein Fiat Fiorino aus dem zwei weitere Reisende aussteigen. Bei diesem spontanen Travellertreff mitten in der Pampa erfahren wir, dass die Franzosen die ganze Nacht im Zelt neben ihrem im Schlamm festsitzenden Fahrzeug verbracht hatten, und erst am Morgen von den vorbeifahrenden Holländer, insbesondere ihrem Landcruiser, aus der misslichen Lage befreit wurden. Nachdem wir uns diese Geschichte angehört haben, streichen wir den 200km langen Umweg zum Perito Moreno Nationalpark aus dem Programm. Zudem auf diesem abgeschieden Abschnitt der Route 40 und den momentanen schlechten Strassenverhältnissen auch schnell mal eine Treibstoffknappheit eintreten kann. Nach einem reichhaltigen Frühstück fahren wir auf der Route weiter, die zwar immer noch schlammig ist doch bei Weitem nicht mehr so prekär wie auf dem gestrigen Abschnitt.

Vor der Ortschaft Bajo Caracoles folgt dann das Trassee der neuen Asphaltstrasse und wir kommen schneller bei den wenigen Häusern in der weitläufigen Pampa an. Hier tanken wir an der altmodischen Zapfsäule und stellen uns gleich daneben auf den grossen Kiesplatz.

Wir lassen zwei weitere Regenwettertage an der Tankstelle in Bajo Caracoles verstreichen, warten bis zum ersten sonnigen Tag ab und setzen dann unsere Reise mitten durch eine faszinierende Landschaft aus tiefen Schluchten und Tafelbergen zum Paso Roballo nach Chile fort.

 

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Von Alaska nach Feuerland, Powered by Joomla!