Reisebericht 32 Argentinien Teil 2 der Süden Drucken E-Mail

Flagge ArgentinienGleich nach Weihnachten verlassen wir den belebten Campingplatz in Malargüe und setzen unsere Reise ins 2‘800 km entfernte Feuerland fort.

 

Für uns Schweizer aus einem Land, das gerade mal von der Nord- bis Südgrenze 220km und von der Ost- bis Westgrenze 350 km reicht, sind dies enorme Distanzen.

Auf einer miserablen Schotterpiste mit stellenweise kaputten Asphaltbruchstücken kommen wir nicht gerade schnell vorwärts, werden aber mit der sensationellen Landschaft aus Lavasteinformationen , erloschener Vulkankegel und den Schneebergen der Andenkette aufgemuntert. Alles hat mal ein Ende, auch eine holprige Strasse und so erreichen wir im kleinen, staubigen Pampadörfchen Ranquil del Norde die neue Teerstrasse der Route 40.

Quer Land ein fahren wir weiter nach Neuquen der Provinzhauptstadt, hier müssen wir eine neue Autoversicherung abschliessen, denn unsere läuft in gut 2 Wochen ab. Von anderen Reisenden haben wir erfahren, dass wir eine günstige Autoversicherung für die Länder Chile, Argentinien, Uruguay, Paraguay und Brasilien direkt im Land abschliessen können, daher wollen wir auf keinen Fall unsere Teure vom deutschen Versicherungsmakler Novak verlängern. Es stellt sich aber heraus, dass dieses Unterfangen nicht so einfach ist, wie wir es uns vorgestellt hatten. Adriano klappert vergebens 12 verschiedene Agenturen in der Stadt ab, entweder ist unser Auto zu alt oder wir nicht im Besitz eines argentinischen Führerausweises, jedoch meistens liegt der Grund bei der fehlenden Wohnsitzadresse. Erst als er erneut auf die Suche geht findet er bei einem Versicherungs-Makler die ersehnte Lösung. Gemeinsam mit dem Herr und seiner uns zur Verfügung gestellten Adresse gelingt es Adriano schlussendlich für 540 argentinische Pesos (150 CHF), inklusiv der Provision des Maklers, eine halbjährige Autoversicherung abzuschliessen.

Bei Choele Choel einem windigen Kaff, übernachten wir auf dem Campingplatz des argentinischen Automobilclubs. Adriano wechselt am Abend noch bei nachlassendem Wind das Motorenöl und den Ölfilter aus. Tags darauf überqueren wir den Río Negro und befinden uns nun offiziell in Patagonien von dort stechen wir zur Ostküste zum warmen Golf San Matías.

In San Antonio Oeste, erreichen wir dann die Küste und fahren auf die schmale Landzunge zum mit Muscheln übersäten Strand Playa la Conchilla hin. Ein geeigneter Platz um einen feuerwerkslosen Silvester zu verbringen, denn ausser uns stehen nur noch wenige argentinische Wohnmobile weit verstreut auf dem kilometerlangen Strand herum. Erstaunlicherweise sind die Argentinier nicht nur begeisterte Zeltcamper, sondern auch Wohnmobilbesitzer, meist sind es allerdings alte ausgediente Linienbusse die originell zu Campingfahrzeuge ausgebaut werden. Den Jahreswechsel verbringen wir ruhig und alleine am Strand gemäss unseren Vorstellungen. Adriano steigt am Neujahrstag in den 20° warmen Golf San Matías, während ich das Jahr mit einem langen Spaziergang am Strand beginne.

Vor uns liegt nun die durch Zäune eingeteilte, endlose flache Pampa, das in der Quetschua-Sprache baumlose Ebene bedeutet, dies ist das Kernland Argentiniens wo 60% der Viehzucht und 90% des Ackerbaus betrieben werden. Die Pampa besteht meist aus niedrig dürrem Dorngestrüpp in dem viele kleine und grosse Tiere ein geeignetes Zuhause finden.

Kurz vor Puerto Madryn verlassen wir die Pampa und biegen zur Halbinsel Valdés ab.

Die Halbinsel ist bekannt für die reiche Meerestierwelt, daher ist auch das gesamte Gewässer der Halbinsel unter Naturschutz gestellt. Wir erreichen auf dem schmalen Streifen Land des Istmo Ameghino (Isthmus) die Halbinsel und deren Eingang. Hier werden wir vom Ranger vorgewarnt über den komplett belegten Camping- und Stellplatz in Puerto Piràmides. Da das Landesinnern nicht unter Naturschutz steht und auf vier Estanziabesitzer aufgeteilt ist, darf nur in dieser einzigen Ortschaft auf der Halbinsel übernachtet werden. Wir beschliessen direkt nach Puerto Piràmides zu fahren, um uns vor Ort und Stelle ein Überblick über die Lage zu verschaffen. Tatsächlich wie wir dies bereits schon vom Hügel her, in dem der Ort eingebettet ist, erkennen können tummeln sich nicht Seelöwen am Strand herum sondern Massen von Homo sapiens Bikinos.

Wir parkieren den Troopy in der Nähe des Meeres, stürzen uns in kurze Hosen und T-Shirt und gehen zum Strand. Wie Sardinen in der Büchse liegen hier die Argentinier eng aufeinander im Sand und sonnen ihre runden Wölbungen. Natürlich nicht ohne ihre unentbehrliche Thermokanne voll heissem Wasser für den Matetee, der Kühlbox gefüllt mit Bier und Esswaren und dem lärmenden Radio. An einer Ecke des Strandes hat sich sogar ein DJ mit riesigen Boxen und Mischpult installiert und drum herum versammeln sich Jugendliche, sodass es uns gegenwärtig an ein Open Air in der Schweiz erinnert und nicht an eine Ortschaft mitten im Naturschutzgebiet. Nachdem wir uns sattgesehen haben, nächtigen wir in einer ruhigen Seitenstrasse oberhalb des Dorfes.

Tags darauf fahren wir die zirka 100 km Schotterpiste zum Punta Norte. Wir hoffen, dass wir hier Orcas (Killerwale) sehen, die bei Flut Seelöwen und Seeelefanten am Strand aufschrecken und fressen. Jedoch hat uns der Ranger bereits schon versichert, dass sich momentan keine Orcas am Punta Norde aufhalten, aber vielleicht hätten wir ja Glück. Vom dortigen Aussichtspunkt werden wir von den männlichen Geschöpfen der Seelöwen und Seeelefanten mit lautem Geschrei begrüsst. Wie es der Name schon sagt, tragen die Seelöwen Männchen eine Mähne und die Seeelefanten einen kleinen Rüssel, beide Arten sind umgeben von einem stattlichen Harem kleinerer Weibchen. Die Männchen führen sich wie die Obermacker auf, erst mal in Pose werfen, dann herannahende Buhler mit lautem Geschrei verjagen und daraufhin zwischen den eigenen Weibchen bequem machen. Immer wieder schauen wir über dieses Schauspiel hinweg zum offenen Meer, doch die Rückenflossen der Orcas suchen wir dort vergebens. Schade, dies ist einzigartig und nirgends sonst auf der Welt zu beobachten, denn üblicherweise jagen die Orcas nicht am Strand. Auf dem Parkplatz treffen wir immerhin auf ein witziges kleines Landtier, das mit seinem Panzer wie ein kleiner Ritter ausschaut, nämlich das graue Gürteltier. Ohne Scheu rennt es rastlos zwischen den Autos auf der Suche nach Essensresten umher.

Südlicher im Naturschutzgebiet, an der Caleta Valdes befindet sich die kleine Kolonie der schwarzweissen Magellan-Pinguine, die auf einer vom offenen Meer geschützten Sandzunge leben. Wir sind entzückt ab den flugunfähigen Vögeln, wie sie ulkig den Hügel hoch und runter watscheln bäuchlings ins Meer stürzen und darin wie kleine Tornados nach Meeresfrüchten jagen.

Am nächsten Tag verlassen wir die Halbinsel vorzeitig, denn für die Bart- und Schwertwale sind wir zu spät dran, für die am Strand jagenden Orcas zu früh und für die Halli Galli Stimmung in Puerto Piramides zu alt.

Das ehemalige walisische Trelew, das sich auf unserem Weg befindet, hat sich gegenwärtig in eine moderne Industriestadt verwandelt. Trotzdem stoppen wir hier für einen Besuch im Museo Paleontológico, dem paläontologischen Museum. Hier bestaunen wir die beachtlichen Funde aus Patagonien von ausgegrabenen Fossilien und Dinosaurier Knochen. Das moderne Museum besitzt Dino Skelette jeder damaligen Zeitepoche, sowie ein gut erhaltenes riesen Saurier-Ei. Wir sind beeindruckt ab der Grösse der Urtiere, speziell deren aus dem Jurazeitalter vor 140 Millionen Jahren. Daneben sind weitere Gerippe kleinerer Arten ausgestellt, insgesamt fühlt man sich wie als Statist im Jurassic Park, dem Film von Steven Spielberg. Nebenan im historischen Gebäude des stillgelegten Bahnhofs befindet sich das Regionalmuseum Pueblo de Luis. Ein Sammelsurium der ersten walisischen Siedler, die ab 1865 vor der politischen Unterdrückung durch die Engländer ins karge Patagonien geflüchtet sind.

Ein paar Kilometer entfernt, im bewässerten Chubut Tal, liegt Gaimán ein herausgeputztes walisisches Vorzeigedorf. Hier gehören rote Backsteinhäuser mit gepflegten Gärten und Efeuranken über den Verandas zum typischen Dorfbild. Wir suchen den Laden mit dem originellen Sortiment auf, das von Schoggifondue für die Mikrowelle über handgeschnitzte Souvenirs bis hin zu frischem Fleisch, das übrigens in keinem argentinischen Lebensmittelgeschäft fehlen darf, auf kleinstem Raum offeriert wird.

Das Naturreservat Punta Tomba am atlantischen Ozean, für uns schlicht Pingu City, ist nichts anderes als eine grosse Magellan-Pinguin Kolonie. Den bis zu 2 Millionen leben zeitweise hier und watscheln die fast 2 km vom Strand zu ihren Höhlen in den Büschen hin und her. Wir spazieren mitten durch das Reservat auf den vorgesehenen Pfaden, die hier ausnahmsweise mal nicht eingezäunt sind. Rechtzeitig für die, vor kurzem geschlüpften, flaumigen Jungtiere die sich piepsend vor den Höhlen aufhalten. Die Männchen blasen sich hingegen wie kleine Blasbälge auf und stossen eigenartige Laute aus, Brunftschreie, die mit dem des Esels zu vergleichen sind. Das Weibchen der ruhigere Teil der Familie, legt zwischen einem und drei Eiern. Es gibt anscheinend keine Arbeitsteilung zwischen den elterlichen Geschlechtern: beide gehen fischen und füttern abwechselnd die Jungen direkt aus ihren Schnäbeln. Wir verweilen hier für Stunden mit beobachten und fotografieren der drolligen Vögel. Treffen unterwegs auf sogenannte Kampfpinguine, die am Pfad den Menschen auflauern und diese dann hinterlistig ins Schienbein zwicken oder an den Schnürsenkel zupfen. Das pinguinische Rotlicht Milieu befindet sich in den grossen Büschen die durch ihren Heidenlärm auffallen und häufig von wankenden Pinguinen besucht werden. Schlussendlich dann der Strand, der eigentliche Treffpunkt, hier herrscht ein reges Kommen und Gehen, vergleichbar mit dem Hauptbahnhof in Zürich zur Stosszeit. Denn hier stürzen sich die Pinguine ins Meer und jagen nach kleinen Fischen und Garnelen. Mit vollen Hälsen kommen sie wieder raus, schütteln sich vorerst das salzige Wasser ab und treten den weiten Heimweg zu ihrer Buschwohnung an. Wir sind erstaunt über den Orientierungsinn der Pinguine, den wie finden die sich im riesigen Labyrinth aus Büschen zurecht und erreichen die Höhle rechtzeigt um ihren hungrigen Nachwuchs zu füttern, uns ist dies ein Rätsel. Die putzigen und zugleich spassigen Magellan-Pinguine haben wir sofort in unser Herz geschlossen. So übernachten wir gleich vor dem Eingang in der lauten Agglomeration von Pingu City.

Die Fahrt führt uns weiterhin durch die dürre weitläufige Pampa und es will einfach nicht aufhören, hat man Eine hinter sich gelassen kann man darauf wetten, dass die Nächste nicht weit weg ist. Bis jetzt ist dies die eintönigste Gegend die wir durchfahren haben, ausser ein paar Guanakos, Nandus mit ihren gestreiften Jungen, den auf Beute lauernden Habicht auf dem Zaunpfahl und den komischen Vögel mit ihren abstehenden Kopffedern gibt es nicht viel zu sehen. Auf solchen schnurgeraden Strecken würden wir gerne unseren Turbo Troopy durch einen Ferrari austauschen, um hier mit 250 km/h vorbei zu rauschen und somit die verbleibenden 1‘000 km bis nach Feuerland schneller hinter uns zu bringen. Je nach Windrichtung müssen wir uns mit Vollgas im dritten Gang mit max. 60 km/h im patagonischen Gegenwind vorwärtskämpfen, bei Seitenwind heisst es dann sich am Lenkrad festkrallen und in leichter Seitenlage fahren. Wiederum bei Rückenwind kommen wir locker mit 90 km/h im fünften Gang ohne Gas zu geben vorwärts und erreichen somit sagenhafte Mindestverbrauchswerte an Dieselkonsum, die trotz unseren 4 Tonnen besser sind als beim kleinen SMART. Eins ist aber gewiss, der Wind bläst hier kontinuierlich, da muss man sich vorher genau überlegen in welche Richtung man sich zum Pinkeln hinstellt, wenn man überhaupt erst mal die Fahrertür aufbekommt.

Nachdem wir die Ölstadt, Comodoro Rivadavia, mit den vielen Ölpumpen passiert haben, folgt ein solch desolater Strassenabschnitt das wir nicht nur durch den heftigen Wind abgebremst werden, sondern auch noch wegen den tiefen Schlaglöchern die Geschwindigkeit zusätzlich verringern müssen.

Und dann passierts, kaum haben wir die ersten 5 km auf der aus sehr groben Schotter bestehenden Stichstrasse zum Monumento Natural Bosques Petrificados, dem versteinerten Wald zurückgelegt, da nähert sich uns auch schon ein Auto mit übersetzter Geschwindigkeit. Obwohl Adriano so gut wie möglich zur Seite fährt und ich den Finger auf die Scheibe drücke, werden wir beim Kreuzen des Fahrzeuges regelrecht mit Steinen bombardiert. Tja und die Windschutzscheibe hat neben mehreren Kratzern auch ein Schlag auf der Fahrerseite abbekommen, ist wohl zu viel verlangt um ein wenig abzubremsen wenn man ein Fahrzeug kreuzt, wir können diese Arroganz am Steuer einfach nicht verstehen. Naja, irgendwann musste es ja mal geschehen, unser erster Steinschlag nach zig tausenden Kilometer Schotterpiste. Steinschläge sind hier nichts besonderes, praktisch alle Fahrzeuge haben kaputte Windschutzscheiben, es ist eher eine Seltenheit wenn die Scheibe noch ganz ist.

Zu unserem Ärger hinzu werden wir auch noch beim Parkplatz vor dem versteinerten Wald weggeschickt, denn übernachten ist im Park nicht erlaubt. Wir finden glücklicherweise nur wenige Kilometer entfernt, einen passenden Stellplatz mitten in der Natur. Adriano sucht in der Werkzeugkiste sofort nach dem Autofensterflickzeug, das wir in Kanada für 2.79 Dollar im Baumarkt erstanden haben. Er widmet sich am nächsten Morgen vollends dem Einschlagloch, reinigt das lose zersplitterte Glas, verklebt dieses sorgfältig mit dem Spezialkleber und lässt es anschliessend über 2 Stunden trocknen. Somit wollen wir verhindern, dass sich das Loch in einen Riss ausbreitet.

(Hat sich übrigens bis jetzt 4 Monate später und weiteren tausend Kilometer gefahrene Rüttelstrasse bestens bewährt.)

Am Nachmittag fahren wir zum Park, der auf einem 2km langen Weg mitten durch die versteinerten Baustämme aus der Urzeit besichtigt werden kann. Einzelne ehemalige Schuppentannen-Stämme weisen sogar einen unglaublichen Durchmesser von 2m und 20 Meter Länge auf. Wie war denn das möglich, denn heute wachsen hier nur noch Pflanzen in Bonsai Grösse, die nur dank ihren langen Wurzeln und den Dornen dem windigen und trockenen Klima trotzen. Im Jurazeitalter, war das alles noch ganz anders, denn damals existierten die Anden noch nicht und der Kontinent war zudem noch mit Afrika verbunden, demzufolge der kalte Atlantik weit weg. Ein milder Wind wehte vom Pazifik her und brachte warmes Klima, das eine üppige Vegetation ermöglichte. Diese Zeitepoche war zudem auch stark durch Vulkanausbrüche geprägt, so dass die Wälder hier von den Winden die Vulkanasche mit sich trugen, vollkommen eingeäschert wurden. Später führten Wind und Wasser angereichert mit Mineralien der Vulkanasche dazu, dass die Bäume durch Silikate versteinert wurden. Durch die Erosionen traten einzelne Baumstämme wieder ans Tageslicht und können heute als dunkelrote teils noch mit dem Loch des Urkuckucks bestaunt werden. Mit dem Besuch des kleinen Museums, dass eine Sammlung aus Fossilien, Mineralien und Tierfellen beinhaltet schliessen wir den Tag ab.

In Puerto San Julián machte Anno 1520 Magellan einen Halt, 300 Jahre später dann Darwin der hier seine Beagle in der ruhigen Bucht vor Anker setzte und heute Adriano und Ursula die ihren Troopy auf den Municipal Camping unweit der Bucht hinstellen. Übrigens, nur schon wegen der Wäscherei im verschlafen Ort lohnt es sich hier einen Stopp einzulegen, denn so frisch gewaschen und gebügelt haben wir Wäsche noch nie zurück erhalten, darüber hinaus günstiger als sonst wo.

Nach Rio Gallegos, wo wir unsere Gasflasche beim Zentrallager auffüllen lassen, geht’s dann schleunigst zur chilenischen Grenze hin. Diese liegt kurz vor der Magellan Strasse die der Archipel Feuerland vom Festland abtrennt. Wir trauen unseren Augen nicht als wir die Schalter der Grenzbehörde betreten, die Halle ist bis auf den letzten Quadratmeter vollgestopft mit Menschen, die bis in die hinterste Ecke des Raums dicht gedrängt in der Reihe anstehen. Bei diesem Anblick fühlen wir uns gleich nach Zentralamerika zurückversetzt, nur das bestechen hier keine gute Lösung ist. Deswegen stellen wir uns nach guter Schweizer Manier zuletzt in die Schlange und bewegen uns langsam dem Immigrations-Schalter der argentinischen Behörde und folglich dem gegenüberliegenden Schalter für den Autoexport zu. Und weil es so viel Spass macht gleich nochmals bei den 3 Schaltern für die Chileeinreise. Die ganze Prozedur dauert geschlagene 2 Stunden, absolute Rekordzeit für Südamerika. Punkt 17.00 Uhr geht es auf die Autofähre, die uns in einer halbstündigen Fahrt über die enge Passage der Magellan Strasse befördert.

Tierra del Fuego – Land des Feuers, wie es zu diesem Namen gekommen ist lese ich folgendes in Bruce Chatwins Buch „In Patagonien“ nach:

Das Feuer waren die Lagerfeuer der feuerländischen Indianer. Einem Bericht zufolge hat der Seefahrer Magellan nur Rauch gesehen und das Land Tierra del Humo, Land des Rauchs, genannt. König Karl V. aber habe erklärt, es gebe keinen Rauch ohne Feuer, und somit den Namen geändert.

Nicht das Feuer, der schon längst ausgestorbenen Indianer erwartet uns, sondern eine 110 km lange üble Schotterpiste die durch den chilenischen Teil Feuerlands zur Grenze Argentiniens führt. Irgendwie empfinden wir die schlechte Strasse der Chilenen, als Schikane gegenüber den Argentiniern, die mit ihren vollbeladenen Lastwagen auf der in die Städte Rio Grande und Ushuaia gelangen. Wir Nehmens gemütlich und treffen am späten Abend an der argentinischen Grenze ein, die wir zu unserem Erfreuen menschenleer vorfinden. Wir erledigen dieses Mal die Grenzformalitäten in Windeseile und nächtigen an der nächsten Tankstelle.

Der erste Tag auf Feuerland beginnt windig und kühl, wir starten den Troopy und machen uns gleich auf den Weg nach Rio Grande dem ökonomischen Zentrum Feuerlands. Die Stadt besteht aus einem Ölhafen, besitzt eine kleine Raffinerie und ist zudem das Zentrum für die Schafzuchtregion. Für uns eine gute Gelegenheit Diesel zu tanken und Esswaren einzukaufen und dann nichts wie weg aus dieser hässlichen Stadt.

Nach wenigen Kilometern bekommen wir endlich wieder lebendige Bäume, grüne Wiesen mit Blumen und selbst Berge zu Gesicht, was für uns eine willkommene Abwechslung nach wochenlanger Strauchsteppe ist. Da es im Sommer bis halb elf Uhr abends hell ist, entschliessen wir gleich weiter nach Ushuaia zu fahren und finden beim Camping La Pista del Andino, einen geeigneten Übernachtungsort mit erstklassigem Blick auf die Bucht.

Während wir ahnungslos im Mehrwertsteuerfreien Städtchen Steinpinguin Figuren und sonstigen Kitsch begutachten, wird der Troopy zwischenzeitlich von drei weiteren europäischen Reisefahrzeuge umstellt, wo kommen die dann plötzlich alle her(?)

Die darauffolgenden kalten Nieselwetter Tage laden nur so ein, um wieder mal die Webseite zu aktualisieren, Reiseerlebnisse und Bücher auszutauschen. Adriano bastelt nebenbei auch noch ein Schutzgitter für die Windschutzscheibe, das wir dank seiner mit Spanngurten befestigten Methode schnellstens an- und demontieren können.

Nur 18 km von Ushuaia entfernt liegt der Nationalpark Tierra del Fuego. Beim Eingang sind wir erstaunt über die Regeln die für Fahrzeugcamper herrschen, erlaubt sind gerade mal 48h im Park, wobei nur eine Nacht pro Campingplatz gestattet ist. Wir fahren als Erstes zum Ende der Route 3, die als Schotterpiste mitten durch den Park führt. Bei der Bahía Lapataia ist dann das Ende der Strasse erreicht und wir schiessen die allbekannten Fotos vor der Holztafel, auf der die in Luftlinie gemessene Distanz zu Alaska aufgeführt ist, die anscheinend gerade mal lächerliche 17‘000 km beträgt. Wir haben aber auf unserer Reise von Alaska nach Feuerland wesentlich mehr Kilometer abgespult, nämlich über 60‘000.

Ein paar Kilometer von der Bucht entfernt, stellen wir uns auf den für Fahrzeuge zugänglichen Campingplatz hin und laufen durch den kalten Regenwald bis wir zu einer schwarzen Lagune und den darum liegenden, farbenfrohen Moosteppich gelangen.

Wir verlassen nun Ushuaia und fahren auf der geteerten Route 3, bis zur Abzweigung auf die Lehmpiste die nach 40 km bei der Estanzia Harberton endet. Hier schützte einst der britische Missionar Thomas Bridges die bedrohten Yahgan-Indianer, die damals Feuerland besiedelten. Doch leider war dies nicht eine allzu gute Idee, denn die Indianer starben letztendlich an den eingeschleppten Krankheiten die die weissen Siedler mit nach Feuerland brachten. Wir nehmen einen kleinen Augenschein von der Anlage, die allerdings nachdem alle Touristenbusse schon weg sind, um vier Uhr nachmittags gespenstig ausgestorben wirkt.

Wir wollen hier somit nicht mehr Zeit versäumen und fahren auf der Schotterstrasse, durch den mit Flechten überhangenen Wald und an windgepeitschten Bäumen vorbei zu einem gratis Campingplatz am Beagle Kanal.

Nun trennen wir uns von der windigen Küste mit den schroffen Klippen und stechen ins Landesinnere von Feuerland. Die Route h führt uns an diesem sonnigen Tag durch ausgedehnte Wiesen-Moorlandschaften, auf denen Enten, Guanakos und Füchse ihre Runden ziehen, in märchenhafte Wälder und an leuchtenden Margeriten und Löwenzahn Wiesen vorbei.

Der nächste Tag beschert uns aber wieder Regen, daher beschliessen wir den Archipel endgültig zu verlassen und fahren zur Magellan Strasse zurück.

 

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