Reisebericht 31 Argentinien Teil 1 der Norden Drucken E-Mail

Flagge ArgentinienDer von spanischen Kolonisten stammende Landesname Argentinien ist vom lateinischen Argentum (für Silber) abgeleitet und kennzeichnet, welche Schätze diese dort einst zu finden glaubten und hofften.

 

Argentinien ist neben Chile das Land, dessen Grenzen dem Südpol am nächsten kommen. Die Südspitze Feuerlands liegt etwa 3‘200 km südlicher als das Kap der Guten Hoffnung in Südafrika und auch noch 1‘500 km südlicher als Neuseeland. Ebenfalls ist die Nord-Süd-Ausdehnung gewaltig, würde man diese auf der Nordhalbkugel koordinatengetreu auslegen, entspreche dies etwa der Strecke von Kopenhagen bis zur Südgrenze Ägyptens.

Das Land ist daher voller Kontraste und hat landschaftlich unendlich viel zu bieten, von der heissen Trockensavanne im Gran Chaco im Norden bis hinunter zum kühlen Klima des antarktischen Kontinents. Im Norden kann man noch indianische Einflüsse spüren, während in der Hauptstadt Buenos Aires die kulturellen Wurzeln in Europa liegen und ganz im Süden in der Weite der Pampa mehrheitlich Schafe und Kühe leben.

Von der schweren Wirtschaftskrise im Jahre 2001 als das Land bankrott ging, merkt man gegenwärtig nichts mehr viel, dennoch ist Argentinien eins der am höchsten verschuldeten Länder und real mindesten jeder fünfte Argentinier arbeitslos, zudem leben 25% der Bevölkerung unterhalb der offiziellen Armutsgrenze.

Mitten in der Abgeschiedenheit des Altiplanos treffen wir auf die argentinische Grenze. In der schlauchartigen Stube in der 6 Grenzbeamte hinter surrenden Computer arbeiten, erledigen wir problemlos die Einreise nach Argentinien.

Wir wären nicht in Argentinien, wenn nicht einer der Beamten seinen Mate-Tee aus der bauchigen ledernen Kalebasse (Becher) mit dem metallischen Siebröhrchens der sogenannte Bombilla trinken würde und danach weiter an seinen Kollegen gibt. Das Mate Tee Ritual reicht weit in die Zeit zurück als die Indigenas dies als magischen Trank gegen Hitze, Hunger und Erschöpfung schätzen lernten. Noch heute sieht man praktisch keinen Argentinier ohne seine obligate Thermokanne in der einen Hand und der Kalebasse mit der Bombilla in der anderen Hand. Das Lebensexelier der Argentinier enthält wertvolle Mineralstoffe, dazu Vitamin C und Koffein. Die getrockneten Mate-Blätter werden in die bauchige Kalebasse gestopft und mit heissem Wasser aus der Thermokanne aufgegossen. Weil die Argentinier nicht ohne diesen Gebräu leben können, kriegt man praktisch an jeder Tankstelle heisses Wasser.

Über die schier endlos wirkende Hochebene geht es weiter an den weissen Flecken die einen Salar (Salzsee) darstellen bis zur Überschreitung des Wendekreises des Steinbockes hin. Die Landschaft wird plötzlich wieder bergiger und wir winden uns durch einen Canyon mitten durch die roten Lehmskulpturen durch. Bis zu einer weiteren Ebene in der sich die Salinas Grandes, die 120 km² große Salzwüste ausbreitet, eine kleinere Ausgabe des Salar de Uyuni.

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Wenige Kilometer später schrauben wir uns über Serpentinien 1'000 Höhenmeter tiefer in eine Schlucht aus der die ungewöhnlichsten Farben an die Erdoberfläche dringen. Kurz vor der Ortschaft Purmamarca, was nichts anderes als Wüstengegend in der Ursprache der Indigenas bedeutet, beginnt die Quebrada de Humahuaca eine ca. 130 km lange farbenfrohe Schlucht.

Wir stoppen im kleinen vom Tourismus geprägten Purmamarca und ziehen durch die vielen Souvenirstand bis wir den kleinen Dorfladen finden, erstaunt sind wir über das Angebot, dass von Delikatessen wie eingelegten Oliven, Salami bis hin zum frischen Brot und den in Chile vergebens gesuchten Pellatis (Tomatenkonserven) reicht. Gegen den Abend wird noch das frisch geschlachtete halbe Rind geliefert, das sofort in kleinere Stücke transchiert wird. Wir sind also endlich bei einer Feinschmecker Kultur gelandet, Argentinien wir lieben dich jetzt schon dafür.

Bei der Bar vis-à-vis linsen wir durch die Kakteenholzschwingtüre und beobachten die Argentinier, wie sie sich zu den Salsaklängen im Rhythmus über das Holzparkett bewegen. Das Land ist nicht nur Kulinarisch nennenswert auch die im Estancia Stil errichteten Restaurants und Hotels mit den drapierten Accessoires lassen sich anschauen.

Nur die Cerro de los siete colores, der Sieben-Farben-Hügel, den der Orts berühmt gemacht hat, wirkt bei den herangezogenen Wolken die die Sonne verdecken ein wenig matt.

Wir verlassen das trockene farbenprächtige Tal und fahren in den feuchteren Teil nach Salta zum legendären Municipal Camping hinunter. Der von den Fahrzeugreisenden als beliebter Stellplatz angesteuert wird, dass sogar einige von einem kleinen Travellertreff reden. Der Campingplatz ist eigentlich ein Freibad mit einem riesengrossen Schwimmbecken um das rundherum Grillplätze angelegt sind. Tatsächlich treffen wir hier auf Altbekannte, der grosse MAN Lastwagen der Schweizer Familie steht hier und zudem noch weitere unbekannte Reisefahrzeuge. Wir installieren uns gleich neben den Schweizer, die zwischenzeitlich auch von ihren Einkauf zurück sind. Wie immer gibt es viel zu erzählen und wenn wir schon dabei sind auch Kleinigkeiten zum reparieren. Adriano ist ja dafür bekannt, dass er mit seinem handwerklichen Geschick schnell den behebenden Fehler gefunden hat. So auch dieses mal bei MAN, bei dem ein Sensorkabel gerissen ist und den Bordcomputer andauernd aufblinken lässt. Schnell wird ein neues Kabel reingezogen die Stelle gelötet und das Problem ist somit behoben. Zum Dank werden wir von Luzia zum Reis Casimir und einer guten Flasche argentinischen Wein eingeladen.

Am nächsten Tag lernen wir auch noch den Rest der Schweizer auf dem Campingplatz kennen. Mit dem welschen Pärchen Carolyn und Frank, die auch in einem Landcruiser mit Kabinenaufbau reisen, planen wir am Nachmittag, an einem der schattigen Steintischen unsere Route um, denn der Weg nach Feuerland ist lang und der Sommer dort kurz. Gegen den Abend sind dann noch Philippe und Agnés aus dem Kanton Fribourg von ihrem Ausflug zurück und stellen ihren Mazda Pickup mit Dachzelt gleich nebenan.

Nach dem Schweizertreff auf dem Municipal Camping und der schlechten Nachricht unserer gehakten Webseite, der Schweizer Bürgerabstimmung gegen den Bau von Minaretten sei Dank, schauen wir uns die Stadt mit dem Beinamen „La Linda“ - die Schöne an. Mit einem Taxi, kostet ja nicht viel, lassen wir uns zum Plaza 9 de Julio, ins Zentrum von Salta chauffieren. Die angenehmen Temperaturen um 25° herum veranlassen uns in einer der vielen Eistheken ein Glace zu kaufen und schlürfen dieses dann unter einer grossen, schattenspenden Palme vor der mächtigen Kathedrale Saltas. In der lange Siesta die hier von eins bis fünf Uhr dauert machen wir einen Stadtrundgang durch die lauschigen Parks, vorbei an hübsch restaurierten historischen Gebäuden, die teils sogar schattigen Arkaden besitzen, in denen wir wohltuende Kühle vorfinden, denn an die Hitze müssen wir uns erst wieder gewöhnen.

Durch das saftig grüne Farmland verlassen wir Salta und fahren weiter ins ebenso grüne Tal der Cuesta del Obispo bis sich die Schotterstrasse in steilen Serpetinien hoch schlängelt. Wir lassen die Wolkendecke, die an der Sierra de Aguas Calientes klebt, hinter uns und erreichen auch schon die Höhe des Piedra de Molino Passes. Aus einem unerklärlichen Grund hat hier jemand einen Mühlstein liegenlassen, wahrscheinlich ging die Eselskarre kaputt die der Mühlestein hochtransportierte, das wäre doch ein plausibler Grund für die vielen wildlebenden Esel in der Puna (Hochebene). Ebenfalls befindet sich hier das Tor zum National Park Los Cordones, kennzeichnend für seine riesigen abertausenden Kandelaberkakteen, die sich zurzeit mit vielen kleinen gelben Blüten schmücken.

Durchs enge Valle Calchaquies bekommen wir eine bisher noch nicht gesehene farbenprächtige Felsformation zu Gesicht. Die staubige Piste verläuft mitten durch die farbigen Felswände, die von Wind und Regen in abstrakte Formen modelliert wurden.

In Molinos einem kolonialen Dorf, gibt es ein Dorf das nicht koloniale Vergangenheit besitzt, schauen wir uns während der brütenden Mittagshitze die schlichte Kirche mit dem Kakteenholz Dachstock an. Wenigstens mal eine katholische Kirche die nicht im Gold und Prunk erstickt, denn im kühlen Innenraum hängen Kakteenrahmen mit gestickten Bilder von Bibelmotiven an den weissen Wänden, zudem sorgen frische Blumen für ein wenig Leben.

In Cafayate dem bekannten Weingebiet für den hochklassigen Torrontés-Wein treffen wir wieder auf Philippe und Agnés. Gemeinsam verbringen wir den frühen Abend auf dem Campingplatz mit Bastis, Wein und Tomatenspaghetti später dann mit mehr Wein und angeregteren Dialogen.

Der Ruta Nacional 40, die längste Strasse der Welt, welche einer Strecke von Portugal bis zum Ural entspricht, bleiben wir weiterhin treu. Bewegen uns durch kleine Weindörfer und deren riesigen Weingärten, passieren eine Schlucht mit verschiedenen Gesteinsfarben, den Felsenkessel und „Garganta del Diablo“ - der Teufelsschlund. Auf der neu asphaltierten 40 kommen wir schnell nach Belén, das zu unserem erstaunen ein schwül heisses Klima aufweist. Auf dessen Municipal Camping stellen wir uns unter einen Baum der von einer riesen Sippe lärmender Grillen bewohnt ist. Schnell flüchten wir uns unter die erfrischende Dusche und schmeissen anschliessend unser letztes Stück Fleisch in die Bratpfanne. Bei einem kühlen Bier, dass schneller als gewöhnlich die trockene Kehle runter rinnt, schauen wir angeregt dem Fussballtraining nebenan zu, dass hier wegen der Schwüle erst um halb zehn Uhr abends beginnt.

Am Rande der Anden und viel weiter südlich, genauer gesagt in Villa Unión stellen wir uns an der Kreuzung hinter die ehemalige ACA Tankstelle unter die grossen Eukalyptusbäume. Argentinien ist das Camping Land schlechthin, den die meisten Ortschaften besitzen einen wenn nicht gleich zwei Campingplätze, falls wirklich keiner vorhanden ist, bleiben immer noch die grossen Kiesplätze hinter den ACA (Automobil Club Argentinien) Tankstellen übrig. Trotzdem bevorzugen wir lieber einsame Plätze mitten in der Natur, denn das Land ist, mal abgesehen von Städten und grösseren Ortschaften, sehr sicher.

Nun verlassen wir mal zur Abwechslung die Ruta 40 und fahren zum Parque Nacional Talampaya. Schon auf dem Hinweg bekommen wir das Gefühl in Australien gelandet zu sein, denn neben der Strasse breitet sich eine weitläufige Steppe aus Busch und rötlichem Sand aus. Adriano bringt es dann schlussendlich noch auf den Punkt als er im „Middle of nowhere“ - im Nirgendwo abrupt abbremst. Fragend schaue ich zu ihm hinüber und da teilt er mir überzeugend mit, dass er einen Emu (australischer Laufvogel) gesehen hätte. Ein kurzer Blick auf das Thermometer bestätigt mir, dass es nicht an der Hitze in der Kabine liegt. Trotz meiner Belustigung über seine angeregte Fantasie legt er den Rückwärtsgang ein und fährt zur Stelle zurück an dem er angeblich den Laufvogel gesehen hat. Und tatsächlich sitzt unweit der Strasse ein riesiger Vogel im Schatten eines Strauchs. Adriano packt seine Fotoausrüstung und verschwindet im Busch, unterdessen suche ich in unserem Reiseführer nach dem Namen dieses Laufvogels. Der kleinere Verwandte des Vogels Strauss heisst hier Ñandu und ist häufig in der Steppe und Pampa anzutreffen.

Beim Parkplatz des National Parks treffen wir auf einen weiteren nicht so scheuen Bewohner der Steppe, Meister Reineke, der Fuchs schleicht hier herum und sucht nach weggeworfenen Fressalien.

An der Kasse erfahren wir, dass der Park nicht mit dem eigenen Fahrzeug besichtigt werden darf und eine Tour zu den Sandsteinformationen ziemlich überteuert ist. Wir lassen es daher bleiben, zudem wir auch noch keine Fans von diesen meist durchgeschleusten Schnell-Abfertigungs-Touren sind.

So probieren wir es beim Nächsten, dem nahgelegenen Parque Ischigualasto oder auch dem argentinischen Mondtal. Hier kostet der Eintritt gerade mal die Hälfte und es ist im Konvoi erlaubt durch den Park zu fahren. Auch nicht das Gelbe vom Ei. Trotz vorheriger Abklärung wo uns versichert wird, dass langsam gefahren wird, rasen uns schon beim ersten gefahrenen Kilometer die Fahrzeuge über die holprige Sandpiste davon. Ein weiterer Versuch starten wir bei der ersten Sehenswürdigkeit und erklären dem Führer dass wir auf solchen Pisten nicht schnell fahren, weil wir erstens unsere Fahrwerk nicht ruinieren wollen und zudem dies unsere Zuhause für die nächsten Monate ist. Der Versuch scheitert und wir werden wieder in einer staubigen Wolke der Fahrzeuge zurückgelassen. Beim 2. Stopp müssen wir uns zudem vom Verantwortlichen noch anhören, dass wir gefälligst schneller fahren sollen. Dies reicht nun Adriano vollkommen und kontert dem verdutzten Latino ebenbürtig in Spanisch. Wir lassen uns auch nach dieser kleinen Auseinandersetzung nicht hetzen, denn auf die 5 Minuten Verspätung kommt es eh nicht drauf an. Der Führer ist ausserdem so schlecht über die geologischen Vorkommnisse informiert, dass er oftmals die gestellten Fragen der Touristen nur halbpatzig beantwortet kann.

So informiere ich mich wie gewöhnlich selber und erfahre, dass die Entstehung der bizarren Erosionslandschaft vor 190- bis 230 Millionen Jahre war, als das ganze Gebiet hier noch unter Wasser lag. Damals erstreckte sich in diesem Tal ein 800 km langer und 15 km breiter See in dem pflanzliches und tierisches Leben existierte. Zum weiteren wurde auch eines der ältesten Sauerierskelette der Welt im Park ausgegraben.

Wir sind hell begeistert von den ungewöhnlichen mehrfarbigen Sandsteinformationen, die in den Millionen Jahren von der Erosion zu grotesken Steinskulpturen geschliffen worden sind. Daneben gibt es kugelrunde Steinkugeln, wie Riesen Murmeln liegen sie verstreut im Sand, Felsnadeln bei denen man das Gefühl bekommt, dass sie jeden Moment umkippen könnten umringt von vielen farbigen Gesteinsarten. Schlussendlich fahren wir alleine die 20 km auf der unebenen Piste zurück, und nehmen uns dabei genügend Zeit um im warmen Abendlicht das bizarre Mondtal zu fotografieren. Als wir beim Ausgang/Eingang ankommen, ist tatsächlich niemand mehr zu sehen, schlauerweise haben sie die Schranke nicht geschlossen und so können wir uns auf den kostenlosen Campingplatz des Parks stellen. Zuerst befreien wir uns mit einer heissen Dusche vom Staub und danach beobachten wir so eine komische noch nie gesehene Art von Hase, die paarweise über den Platz laufen, nur an den bedeutend kürzere Ohren und an den längeren Beinchen ist es eindeutig als Mara zu identifizieren. Später als sich Fuchs und Mara gute Nacht sagen, nutzen wir die starke WiFi Verbindung und surfen praktisch den ganzen Abend im Netz herum.

Wir fahren nun weiter durch die Puna, auf einer Strasse die von Hunderten von Flutwegen übersät ist, bis nach San José de Jachal. Die Autos denen wir auf der Strasse begegnen erinnern uns oftmals an unsere Kindheit zurück, denn hier fahren noch Peugeot, Renault und Citroen Modelle aus den 70 Jahren herum.

Die Strasse verengt sich nun merklich, wir quetschen uns durch die enge Schlucht, Dique Cuesta del Viento, und landen an einem See auf dem vereinzelte Windsurfer versuchen den starken Wind ins Segel zu kriegen.

Am nächsten Tag befolgen wir den Ratschlag unseres deutschen Reise-Know-How Reiseführers und fahren nach Tudcum, besucht Tudcum so wirbt auch die Tafel entlang der 40, so fahren wir also den Abstecher und finden ausser einem Nigel-Nagel neuen Souvenirladen nichts Nennenswertes. Eines wissen wir jetzt schon, Reise-Know-How Bücher kaufen wir bei der nächsten Reise ganz bestimmt keine mehr, schlechtes Kartenwerk, zu wenige Angaben für Selbstfahrer und Langzeitreisende und teilweise bekommt man das Gefühl der einzelne Autor hätte alles im Internet recherchiert und sei gar nicht selber vor Ort gewesen. Mein Tipp an alle Deutschsprachige, lernt englisch und kauft den Footprint!

Wir wenden also sofort wieder und fahren gleich weiter nach Mendoza der Weinmetropole, denn fast drei Viertel des argentinischen Weines stammt aus dieser sonnigen Region. Auf dem kleinen zwischen schattenspendenden Bäumen angelegten Camping Suizo, ausser dem Namen und einem anderen Fahrzeug aus dem Kanton Wallis finden wir keine Verbindung zur Schweiz, stellen wir uns für die nächsten Tage hin. Nach unserem Ausflug zum teuren Wal-Mart finden wir mehrere grosse Tourbusse auf dem Gelände vor, die verheissen meist nichts Gutes. Diese Touren werden direkt von England für Backpacker im Alter von 20 bis 25 angeboten, daher ist dementsprechend lautes und alkoholisiertes Partyfolk an Bord. Wenn dann die „Pomies“ (Prisoner of Mother England) wie sie die Australier ironisch nennen, frisch geduscht und ihre Dreckwäsche gewaschen haben bleibt für den Rest des Campingplatz nur noch kaltes Wasser übrig. Versteht ihr jetzt, wieso wir keine Fans von Campingplätzen sind, wenn es nicht die Backpacker sind, dann die Latinos mit ihren unabkömmlichen Lautsprecher aus denen die ganze Nacht Los Medicos (Mainstreamband vom Übelsten) plärrt.

Umso angenehmer ist daher der Stadtausflug nach Mendoza, den die Strassen sind alle gesäumt mit Bäumen, man sagt, auf jeden Bewohner soll ein Baum kommen, demzufolge etwa 120'000 Bäume. Wir flanieren durch die schattige Innenstadt, begutachten die Schaufenster der Geschäfte und setzten uns mit einem Glace in einen der vielen Parks und vergnügen uns mit Leutekino.

Nach San Rafael der nächsten grösseren Ortschaft auf unsere Route, erstreckt sich linkerhand die weite, flache Pampa del Diamante auf der Rinder grasen, die später in Form als saftige, zarte Steaks bei uns auf dem Grill landen. Rechts von uns erhebt sich die von Schneefeldern bedeckten Berge der Anden und der Vulkan Maipo. Hier stehen verstreut in der Pampa merkwürdige, tankähnliche Detektoren des Pierre-Auger-Observatorium. Diese dienen zur Erforschung des eindringen der hochenergetischen kosmischen Strahlung in die Erdatmosphäre. Der französische Physiker Auger hat den kosmischen Regen als erster 1935 entdeckt, interessant..., wir hätten auch an einer gratis Führung darüber teilnehmen können, diese lassen wir allerdings bleiben. Auf dieser Weite kämpft sich nun Troopy das erste Mal im heftigen Gegenwind vorwärts, ein bisschen patagonische Brise gefälligst?

Weihnachten steht nun von der Tür, daher beschliessen wir zum kleinen gepflegten Municipal Camping nach Malargüe zu fahren um dort ruhige Festtage zu verbringen. Im Winter ist der Ort eine günstige Übernachtungsmöglichkeit für den naheliegenden Skiort Las Leñas, jetzt im Hochsommer ein gemütliches Dorf mit guter Lebensmittelversorgung.

Zwischen den windschützenden Pappeln des Campingplatzes schmücke ich unser kleiner Plastikweihnachtsbaum, der für weihnachtliche Stimmung in der Kabine sorgen soll. Denn bei diesen sommerlichen Temperaturen und dem Rauch der Grillstellen um uns herum, ist die vertraute Weihnachtszeit mit selbstgemachten Guetsli, Glühwein und der Duft nach Zimt und Orangen nicht spürbar. Den Rauch veranstalten logischerweise die Argentinier, damit sie die richtige Glut für ihre unanständig grossen Fleischstücke bis am Abend zusammen haben. Unser Asado bestehend aus 500gr Rindsfilet hält sich daher in Grenzen. Unser Weihnachtsmal ist der absolute Hammer, das Rindsfilet ist butterzart, die selbstgemachte Pesto mit dem verführerischen Duft nach frischem Basilikum und Knoblauch wohlschmeckend und der Wein mit der fruchtigen Note ein Traum. Punkt Mitternacht während wir mit dem bolivianischen Schnaps unsere Verdauung anregen, läuten die Kirchenglocken zur Mitternachtsmesse ein und draussen setzt gleichzeitig die Knallerei ein, wie war das mit ruhigen Festtagen…

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