Reisebericht 28 Peru Teil 2 Drucken E-Mail

Flagge PeruDie Fahrt setzen wir durch die Küstenwüste fort, bis wir zum 11 m hohen Aussichtsturm der Maria Reiche an der Panamericana gelangen.

 

Die deutsche Mathematikerin und Geographin Dr. Maria Reiche kam 1932 als Übersetzerin nach Peru und lernte dabei Dr. Kosok aus New York kennen, der sich bereits schon mit den Nasca Linien befasste und diese als grösstes Astronomiebuch der Welt betitelt. Die junge deutsche Mathematikerin war so fasziniert von den geheimnisvollen Bodenmarkierungen der Nasca Kultur, dass sie die Forschung weiter verfolgte die dann später zu ihrem Lebenswerk wurden. Für Peru wurde Maria Reiche somit zu einer der bedeutenden Forscherin, die 1981 sogar mit dem höchsten Orden des Landes geehrt wurde. Sie setzte sich unter anderem auch dafür ein, dass das Gebiet der Nasca-Geoglyphen als archäologische Zone anerkannt wird und nicht weiter als Massstab für den Bau neuer Strassen diente.

Doch was sind dann überhaupt die Nasca Linien und was bedeuten diese?

Die Linien von Nasca sind riesige Scharrbilder – auch Geoglyphen genannt – im Wüstengebiet in der Nasca-Ebene. Die Scharrbilder befinden sich auf einer Fläche von mehr als 500 km² und bestehen aus bis zu 20 km langen schnurgeraden Linien, geometrischen Formen wie Dreiecke und Trapeze sowie diversen Figuren, die teilweise bis zu mehrere hundert Meter gross sind.

Über Sinn und Zweck der Geoglyphen herrscht bislang in der Wissenschaft noch keine Einigkeit. Frau Dr. Reiche kam im Laufe der Jahre der Forschung zu einer plausiblen Erklärung für die Nasca Bodenmarkierungen. Sie fand mindestens drei Linien, die Kalender technisch nutzbar waren, zur Bestimmung wiederkehrender Tage von Sonnenständen und Mondaufgängen, wiederum weisen andere Linien auf unterirdische Wasseradern hin. Ebenfalls konnte sie durch astronomische Rückrechnung der Sonnenbahn das Alter einiger der Linien zwischen 350 und 900 n. Chr. datieren. Aber warum diese Zeichen nur aus der Luft zu erkennen sind wirft weitere Rätsel auf, der Schweizer Erich von Däniken spekuliert mit einer fantasievollen Theorie, dass sie eventuell auch als Landebahn für Ausserirdische dienten. Doch dieses wird kaum mehr ernst genommen und trotzdem ist der Schweizer 1979 Ehrenbürger der Stadt Nasca geworden.

Wir stellen den Troopy in den Hinterhof des Hotel Maison Suisse und buchen an der Rezeption einen Flug über die Nasca Linien. Eigentlich wäre unser Flug um 3 Uhr nachmittags gewesen, doch das Wetter schlägt uns ein Strich durch die Rechnung, denn genau um diese Uhrzeit setzt der Sandsturm ein und alle Flüge werden auf den nächsten Tag verschoben. Wir haben also vergebens die 2 Stunden am Flugplatz gewartet und werden wieder zum Hotel zurück kutschiert.

Der nächste Tag beginnt mit dem typischen Morgennebel, wir schauen in regelmässigen Abständen zu unserem Dachfenster hinaus und beobachten besorgt den Wetterverlauf. Am Vortag sind wir so verblieben, dass unser Flug auf 9 Uhr verschoben wird, Adriano trifft um halb neun aber die Piloten und die meinen um 11 Uhr sei der Morgennebel ganz weg und die Sicht dann glasklar auf die Linien, also buchen wir erneut um. Doch es kommt noch besser, als wir um Viertel vor 11 mit unseren Kameras an der Rezeption erscheinen, erleben wir das erste Mal auf unserer Reise das berüchtigte mañana. Unser Flug wurde ohne unser Einverständnis auf Viertel vor zwölf verschoben, mit der Begründung dass der Kontrollturm des Flugplatzes den 11 Uhr Flug gestrichen habe. Merkwürdigerweise starten seit gut 3 Stunden ununterbrochen die lärmenden Cessnas über unsere Köpfe hinweg. Ich werde mal kurz laut und laufe fluchend zum Troopy zurück, nur schon deswegen, weil wir die Flüge gestern bar auf die Hand bezahlt haben.

Um halb zwölf werden wir dann aber von einem Taxi abgeholt und zum nahen Flugplatz gebracht, dort heisst es vorerst mal ein Formal ausfüllen und eine weitere halbe Stunde den Film über die Nasca Linien anschauen, den kennen wir aber seit gestern schon auswendig und Adriano spricht den beinahe akzentfrei auf Japanisch nach.

Endlich können wir in der kleinen Cessna Platz nehmen, der Pilot schliesst sein Klappfenster und ich die Türe, dann heisst es Kopfhörer aufsetzen und auf die Abfluggenehmigung des Towers warten. Kurz darauf rollt der Pilot auf die Piste und nach wenigen Metern befinden wir uns auch schon in der Luft. Wir fliegen auf direkten Weg die Nascalinien an, und schon ertönt die Stimme des Piloten über die Kopfhörer, dass sich unter uns der harpunierte Wal befindet und kippt sogleich die Kiste in die Schräglage als wäre es ein Spielzeug. Dies für die nächsten 20 Minuten, einmal links und einmal rechts kippen, rundherum kreisen und zielstrebig zur nächsten Figur weiter fliegen. Der erfahrene Buschpilot gibt sein Bestes, sodass wir alle die Figuren gut sehen und fotografieren können, doch aufgepasst wenn man zu lange durch den Sucher der Kamera schaut wird es einem speiübel. Deshalb fixieren wir uns immer wieder mal am Horizont und überstehen die Fliegerei gut, ohne Gebrauch von der Kotztüte zu machen. Der Flug lohnt sich, den nur aus der Luft erkennt man die Figuren und Linien von Nasca.

Für den Nachmittag haben wir eine Tour zum archäologischen Friedhof von Chauchilla gebucht, pünktlich nach Schweizer Manier werden wir vom Minibus abgeholt. Über eine sandige Schotterpiste erreichen wir die Stätte der Präinkazeit. Der Führer klärt uns über die Herstellungsmethode der Mumien auf und das der mit den dicksten und längsten Dreadlooks der Schamane gewesen sei. Da der Friedhof einst in die Hände von Grabräuber fiel sind viele Grabkammern leer und die wertvollen Utensilien in alle Welt verhökert worden. Die Archäologen fanden erst viel später, verstreut im Sand, die verbliebenen Grabutensilien und konnten diese in 12 überdachten Grabkammern unterbringen und schützen. Gewisse Mumien überstanden den Wandel der Zeit gut, andere wiederum sind bis auf den kahlen Totenschädel oxidiert.

Nun heisst es aber für uns, die Küste mit all den geschichtlichen Epochen zu verlassen und zum Nabel der Welt nach Cusco zu fahren. Aus diesem Grund koche ich am Morgen heisses Wasser für die Thermokanne und tauche zwei Beutel Maté de Coca Tee darin, dieser soll die Symptome der Höhenkrankheit lindern. Denn wir steigen heute von 500 auf 4390 m.ü.M hoch. Das erste Drittel der Strasse Nr. 26 beschert uns mit Schlaglöchern, engen Kurven und zwei gekippten Transportern die glücklicherweise gerade von der Strasse entfernt werden. Nach dem hässlichsten Kaff Perus – Puquio, die goldene Himbeere haben wir spontan bei der Durchfahrt vergeben, windet sich die Strasse ins Hochland hinauf. Hier zeigt sich das klassische Bild Perus: Frauen mit langen zusammengebundenen Zöpfen, darüber ein Hut balancierend, eine Strickjacke, mehrere farbige Röcke und dicke Wollstrümpfe die sie warm halten, und auf dem Rücken das unentbehrliche Wickeltuch mit einem Kind oder Sammelgut darin. Die Tier- und Pflanzenwelt wird bei dieser dünnen Luft hier oben auch kärglicher, das graziöse Vicuña, eine Wildform des Alpakas, fühlt sich hier wohl und kaut genüsslich auf dem dürren Gras herum. Ab und zu passieren wir eine Herde zottelige Alpakas die vor lauter Wolle kaum was sehen, oder die geschmückten Lamas die in einer Reihe an uns vorbei trotten. Kaum haben wir die Passhöhe mit den tiefblauen Lagunen erreicht, geht es dann wieder langsam, mit der Gangbremse, ins grüne warme Tal hinunter. Troopy findet das ewige auf und ab eine Zumutung und lässt die Temperatur gefährlich in den roten Bereich ansteigen, einmal hat es nur dünne Luft und dann wieder nur heisse Luft. So schnell kann sich unser zwanzigjähriges Fahrzeug nicht um stellen, deshalb gönnen wir ihm eine wohlverdiente Pause und besorgen uns selber kühle Getränke.

Auf den Spuren der Inkas, alle Wegen führen nach Cusco, erreichen wir die touristische Stadt und verlassen die sogleich auch wieder Hügel aufwärts zum Quinta Lala, dem Treffpunkt für motorisierte Reisende. Die Einzigen die wir an diesem Vormittag zu Gesicht bekommen, sind mit ihrem Seitenwagen-Motorrad beschäftigt. Da ist natürlich Adriano gleich zur Stelle und begutachtet den Verlauf der Reparatur, mit Motoröl befleckten T-Shirt und voller Freude erscheint er wenig später zum Mittagessen. Das Triumph-Motorrad sieht jetzt mit seinem neuen Luftfilterschnorchel wie ein Mini-Unimog aus und ist nun auch Südamerika tauglich. Wir sind schon halbwegs auf dem Weg in die Stadt, da erscheint ein weiteres Reisefahrzeug und unser Einkauf verzögert sich um eine weitere Stunde. Am späten Nachmittag schaffen wir es dann endlich den Lebensmittelladen aufzusuchen. Der Heimweg stellt sich als Hindernislauf heraus, den auf der Plaza de Armas wird eine Prozession abgehalten und ist deshalb rundherum von der Polizei abgesperrt. Für den Taxifahrer nichts Ungewöhnliches, denn praktisch jede Woche wird ein katholischer Heiliger durch die Altstadt geschleppt.

Den Abend verbringen wir, nachdem wir unsere Tüten voll Esswaren verstaut haben, in einer lustigen Gruppe im beheizbaren Aufenthaltsraum. Und so vergehen die nächsten Tage, Reisende gehen und Neue kommen, es wird geschraubt, geputzt und geredet. Visitenkarten und Ratschläge ausgetauscht und am Abend sitzt man bei einem Glas Wein vereint in der warmen Stube. Ehrlich gesagt, von Cusco selber haben wir nicht viel mitbekommen, wir haben keine einzige Kirche, kein Museum und nicht mal die, neben dem Quinta Lala befindende, Inka Festung Saqsaywamán besichtigt. Die Calle Hatunrumiyoc mit der Mauer des ehemaligen Palastes der Inkas, gilt als eines der schönsten Beispiele der Kunst der fugenloser Verblockung riesiger Steine, befindet sich glücklicherweise auf dem Weg zur Altstadt. Der sich darin befindende Stein mit den zwölf Ecken wird sogar unter der Woche, sonntags nicht, von einem verkleideten Inkahäuptling mit einer stumpfen Plastiklanze bewacht.

Die Altstadt von Cusco ist eine Touristenhochburg schlechthin, kaum zückt man den Fotoapparat um ein Gebäude abzulichten, lauft eine traditionell gekleidete Indígena (Indianerin) mit einem Lämmchen im Arm ins Bild und möchte Geld dafür, hat man die erfolgreich abgewimmelt wird man von den Kunsthandwerkverkäufer verfolgt und schlussendlich kommen noch die Restaurant Anwerber mit ihrer Speisekarte wedelnd in der Hand entgegen.

Nach ein paar Tagen reicht uns dieser Zirkus und wir fahren weiter ins Valle Sagrado de los Incas (heiliges Tal der Inkas) bis nach Pisaq. Dort besichtigen wir die Inka Festigung mit den Terrassenfelder, die sich oberhalb von der Ortschaft Pisaq am Hang erstrecken. Der Terrassenbau diente den Inkas als landwirtschaftliche Nutzflächen um die Hochland-Bevölkerung zu versorgen. Auch wurde so das kontrolliert-schnelle Abfliessen des Regenwassers ermöglicht und zusätzlich die Hänge von Erosion geschützt. Wir wandern die Treppen hoch, entlang der etlichen Terrassen, passieren ehemalige Kontrolltürme und ein Tunnel bis wir schliesslich unterhalb der ausgehöhlten Felsen der den Friedhof symbolisiert landen. Die Inkas waren Perfektionisten was den Bau betrifft, im Puzzlestil verkeilten sie ihre Mauern ineinander, dass diese auch jedes Erdbeben bedenkenlos überstehen. Noch heute liegen die tonnenschweren Blöcke präzis auf einander. Wie sie diese ohne Rad fortbewegt und aneinander angepasst hatten, so dass keine Messerklinge darin Platz findet, ist auch nach heutigen Gesichtspunkten eine technische Meisterleistung.

Am frühen Nachmittag erreichen wir Ollanta, das älteste ständig bewohnte Ort Südamerikas, und der ehemals befestigte Stützpunkt der Inkas. Wir manövrieren durch die enge Pflastersteingasse bis zum Hotel und erkundigen uns vorerst mal nach den Bahnhof. Den von hier aus fahren wir mit der Schmalspurbahn der Peru Rail nach Aquas Calientes dem Ausgangsort für den Machu Picchu weiter.

Tags darauf stehen wir um 4.30 Uhr in aller Früh mit einer Traube Touristen am Bahnhof und steigen in die kalten Waggons der Peru Rail ein. Wir setzen uns zu einem freundlichen, peruanischen Pärchen ins Abteil und müssen leider wenige Minuten später die Arroganz der Amerikaner mit erleben, dass bei mir schon in dieser Morgenstunde einen roten Kopf auslöst. Doch das einsetzende Tageslicht das eine Sicht auf den grünen, semitropischen Bergwald mit dem reissenden Fluss freigibt, stimmt mich sofort wieder heiter. Von Aquas Calientes geht es dann mit dem Bus über die Serpentinen zum Machu Picchu hoch. Nun trennen uns nur noch wenige Meter vom meistfotografierten Motiv Südamerikas, da die Sonne bereits schon aufgegangen ist, brauchen wir auch keine Ellbogen um zum Eingang zu gelangen. Wir erklimmen zuerst mal den Aussichtspunkt der sich am Ende des Inkaweges befindet. Da steh ich nun und schaue auf ein Bild das ich schon mehrmals auf Fotos, Plakate und im Fernsehen gesehen habe. Für Adriano ist es nichts Neues, denn er ist vor Jahren schon mal hier gewesen und sogar auf dem überlaufenen und überteuerten Inkatrail hin gewandert. Im warmen morgendlichen Sonnenlicht liegt das rätselhafte Zeugnis der Inkazeit mit dem im Hintergrund aufragenden Felsen Wayna Picchu (schlafender Inka) vor uns.

Was wurde hier geschützt, dass jedes Viertel mit Steinblöcken verriegelt und verteidigt werden konnte?

Wieso wurden so viele weibliche Mumien (75%) gefunden?

Was wurde auf dem Machu Picchu erforscht, diente es als Tempelanlage oder sogar als Universität der Inkas?

Speziell die architektonischen Besonderheiten weisen darauf hin, Wie z.B. der Granitblock Intiwatana der die Sonne bindet und die Tag- und Nachtgleiche sowie Stellung von Sternen bestimmt. Den die Trapezfenster die den gewölbten Felsentisch des Sonnentempels zur Sonnenwende beleuchtet und der heilige Felsen der identisch mit der Kontur des dahinterliegenden Bergzuges ist.

Die einzigen Funde die eventuell mehr Licht in die Sache werfen könnten wurden durch einen Amerikaner entfernt, doch dazu mehr im folgenden Abschnitt.

Es gilt als nahezu sicher, dass der amerikanische Expeditionsleiter Hiram Bingham der Yale Universität anno 1909 mit 60 Mulis, vollbeladen mit Goldschätzen aus dem Machu Picchu, Peru heimlich in Richtung Bolivien verlassen habe. Tatsächlich hat Bingham nie eine Liste der Funde veröffentlicht, obgleich ein peruanischer Professor bestätigte, dass Bingham bei dessen Vater in Ollanta 200 Kisten untergestellt hatte. Archäologisch hat der Amerikaner sicherlich viel zur Interesse der Inka Anlage beigetragen, aber der wissenschaftlicher Entdecker Machu Picchus ist er ganz bestimmt nicht, denn vor ihm setzten andere fremde Personen einen Fuss in die Inka Stadt. Leider warten noch heute die Peruaner vergebens auf die Rückgabe der gestohlenen Objekte, die wahrscheinlich in einem der muffigen Keller der Yale Universität lagern oder als Kunstschätze versteigert worden sind.

Wir halten uns mehrere Stunden in der Anlage auf, wandern von der Inka Brücke zum Sonnentor hoch, picknicken auf einer der zahlreichen Terrasse die einst landwirtschaftliche Zwecke erfüllten und schmunzeln dabei über die zahlreichen Esoteriker die meditierend neben uns sitzen.

Nun sind wir, was archäologische Inka stätten betrifft gesättigt und steuern daher geradewegs auf die Salzterrassen von Pichingote hin. Ein bizarrer Anblick, in der trockenen Landschaft bilden die strahlend weiss braunen Becken die von dem unscheinbaren salzhaltigen Bächlein gespeist werden. Mit einem Kilo frisch gewonnen Salz treten wir den Rückweg nach Cusco an, wo wir im Quinta Lala bereits schon von unseren Campingkollegen erwartet werden.

Bevor wir an die Weiterfahrt nach Puno denken, feiern wir gemeinsam mit all den anderen Reisenden auf dem Quinta Lala, den Geburtstag des einjährigen Eliots. Nico und Jessica die Eltern des Kleinen decken uns reichlich mit leckeren Grillladen und spritzigen Getränken ein, die gelungene Party zieht sich vor dem flackernden Lagerfeuer bis spät in die Nacht hin. Einige Tage später heisst es aber dann endgültig Abschied nehmen und weiterreisen.

In Puno besuchen wir die schwimmenden Insel der Uros im Titicacasee, dem höchst schiffbaren See der Welt. Auf dem Boot befinden sich unter anderen auch eine bolivianische Boy band mit einem Kameramann der die Jungs auf Schritt und Tritt begleitet. Das kann ja heiter werden...

Bei der ersten schwimmenden Schilfinsel, begrüssen uns dicke Urosfrauen. Die heutigen Uros, einstige Kot-suns (Seemenschen) das wildeste Volk im Inkareich, weisen sich durch ihre dunkle Hautfarbe aus. Der grösste Teil der Familien lebt heute aber auf dem Festland und rudern nur noch als Touristenattraktion am Morgen auf die Insel raus, ziehen dort ihre Uros Schau ab und verdienen dabei ihr Geld mit Artesanías (Kunsthandwerk) und dem Restaurant. Es ist trotzdem interessant, dem Chef der Insel zu zuhören wie er uns anhand eines kleinen Modells die Herstellung der Schilfinsel erklärt. Das rundherum wachsende Totora-Schilf ist das Lebenselement der Uros, aus dem wird praktisch alles hergestellt, die Inseln, die Hütten, die Boote es dient sogar als Nahrungsquelle neben neben der Forelle. Geschmacklich soll sich der Totora-Schilf jeden Monat verändern, anfangs Oktober schmecken sie eher fad, so ist mein Empfinden als ich in den geschälten, Lauch ähnlichen Stängel beisse. Das Inseloberhaupt erklärte uns zum Weiteren, dass es auch schon mal vorgekommen sei, dass eine Schilfinsel bei Hochwasser abgedriftet sei und an den Ufern Boliviens gestrandet. Das hat Probleme mit der Bolivianischen Behörden gegeben, denn nur ein kleiner Teil der Inselbewohner besitzt ein Pass, deshalb sind nun vorsorglich die Inseln verankert worden. Nach der Vorstellung warten die dicken Frauen in bunten Kostümen auf kauffreudige Kundschaft. Die Boy band legt währendem eine Tanzeinlage ein, die ich liegend auf dem bequemen Schilfuntergrund mit verfolge.

Auf dem stabilen Festland zurück schlendern wir durch das bunte Markttreiben das allerlei im Angebot hat, inklusiv Lama-Embryos für welchen Zweck die gut sind, werde ich euch im nächsten Bericht erzählen.

Der Donnergroll und die Blitze am Himmel veranlassen uns in die geschützte Markthalle des Ortes zu flüchten. Draussen entleeren sich Zwischenzeit die dunklen Gewitterwolken. Hier im Trockenen decken wir uns mit Frischwaren ein, einer der gekachelten Stände mit zerlegten Fleischbrocken erweckt unsere Neugierde besonders. Die Verkäuferin klärt uns auf, dass dies Alpakafleisch sei, das hatten wir bis jetzt noch nie probiert, daher lassen wir uns zwei Plätzchen von Schulterstück abschneiden und erkundigen uns gleich noch nach der Zubereitungsmethode. Sie verweist uns auf die Plastiktöpfe mit den Saucen nebenan, mariniert in der Knoblauchsauce soll das Alpaka sehr lecker sein. Und die gute Dame hat auch recht, es schmeckt uns vorzüglich, besser als die üblicherweise bevorzugte Pasta, die ich aber auf dieser Höhe einfach nicht al dente hinkriege.

 

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