Reisebericht 14 Mexico / Baja California Nord Drucken E-Mail

Flagge MexicoDie Strasse zum Grenzort Tecate in Mexiko führt durch die dürre, steinige südkalifornische Wüste bis hin zur mexikanischen Grenze.

 

Irgendwie fühlt sich keiner von den herumstehenden, gelangweilten Beamten verantwortlich um uns zu kontrollieren. So suchen wir eine ruhigere Nebenstrasse und Adriano macht sich auf den Weg für unsere obligatorischen Touristenkarten und die Einführung des Fahrzeuges, während ich aufs Auto aufpasse. Nach einer geschlagenen Stunde kehrt er mit den Papieren zurück und der Nachricht, das er das Auto hier in Tecate nicht einführen konnte, dies sei nur in Tijuana oder Mexikali, also an den grösseren Grenzorten möglich. Wieder mal haben die Informationen die wir von anderen Reisenden und aus unserem deutschen Reiseführer haben nicht gestimmt. Weiter nicht schlimm, die Einführung des Fahrzeuges können wir in La Paz vornehmen, bevor wir aufs mexikanische Festland übersetzen. So verlassen wir schnellstmöglich den chaotischen Grenzort, nehmen die MXC 3 (Strasse) durchs hügelige Hinterland der Baja California bis wir kurz vor Dämmerung im Weingebiet Sordo Mudo eintreffen. Hier stellen wir uns für die Nacht auf den inmitten von Olivenbäumen und Reben verlassenen Campingplatz, der von der angrenzenden taubstummen Schule gewartet wird.

Die Halbinsel Baja California hängt wie ein dünner, knochiger Finger am US-Bundesstaat Kalifornien. Sie ist 1300 km lang und zwischen 45 und 170 km breit. Irgendwann vor Millionen vor Jahren brach sie vom östlichen Festland ab, driftete nach Westen, was sie immer noch tut, jährlich um ca. 7cm. Auf der Ostseite ist das Wasser des Golfo de California dagegen fast spiegelglatt und mit vielen Inseln gesprenkelt. Auf der anderen Seite liegt der wildere, kältere Pazifik mit den salzreichen geschützten Lagunen in denen die Grauwaldamen, ihre Jungen zur Welt bringen. Der hohe Salzgehalt des warmen Wassers verstärkt den Auftrieb, was den Neugeborenen ihr erstes Schwimmen, Tauchen und das Luftblasen erleichtert.

Die erste Nacht in Mexiko ist ruhig gewesen, doch morgens darauf werden wir von der Strasse her von einem Umzug geweckt. Eine laut, singende und tanzende Schar Menschen angeführt von einem Priester und Ministranten, gefolgt von einem Lastwagen mit der heiligen Mutter Maria daneben dröhnenden Lautsprecher aus denen christliche Popmusik ertönt. Nach diesem Morgen ist es uns wirklich bewusst, dass wir im katholischen Mexiko angekommen sind.

Wir setzen die Reise entlang der Westküste fort, vorbei an der grösseren Stadt Ensenada bis hin nach Bufadora, einer kleinen Halbinsel auf der eine haushohe Gischtfontäne aus einer Felsöffnung herausschiesst. Doch schon beim Eintreffen im absolut, touristischen Ort Bufadora machen wir in der Hälfte des Ortes kehrt, die Mexikaner führen sich hier wie eine wild gewordene Horde Geier auf. Wir stellen uns ein paar Kilometer davon entfernt auf die steile Klippe und trinken einen Gin Tonic zum Sonnenuntergang.

Die MXC 1 (Strasse) führt weiterhin der Westküste entlang, die Landschaft aber hat sich schlagartig verändert, seitlich der Strasse sehen wir nun weites Farmland auf denen die schlecht bezahlten Campesinos (Tagelöhner) 10 Stunden am Tag ackern. Die Hütten in den Dörfern sind schäbig und Abfall weht entlang der Strasse, doch wie jedes Kaff mit sicher 3 Topes (hohen Strassenschwellen) bestückt. Diese Topes befinden sich in jedem Ort, teilweise heimtückisch in einer unübersichtlichen Kurve angebracht, sodass man diese kaum erkennt. Meistens aber im Dorfkern, so nutzen die Einheimischen die vorteilhafte Lage aus, um ihre Ware an den langsam passierenden Autos an zu bieten.

Beim El Pabellón Campingplatz am kilometerlangen Sandstrand vom Pazifik, beobachten wir die Pelikane wie sie entlang der Wellen gleiten und gleichzeitig fischen. Auf diesem Campingplatz nehmen wir, seit Ankunft auf der Baja, unsere erste heisse Dusche mit salzhaltigem Wasser.

Die MXC 1 führt weiter durchs trockene, hügelige Hinterland, vorbei an einer bizarren Urlandschaft, ein Dorado herber Schönheiten, bestehend aus endlosen Kakteen- und Sukkulentenwälder. Die Auffälligsten,die langsam wachsenden Cardóns die vorerst als Säule heranwachsen und erst nach 100 Jahren mit den Gabelungen einsetzen. Die grossen Exemplare können in ihrem wasserspeichernden Gewebe bis zu 1000 Liter Wasser aufsaugen und sind somit wahre Überlebenskünstler, damit diese nicht unter ihrer schweren Last zusammenbrechen besteht die innere Struktur aus Holz. Für uns ist dieser Kaktus ein bekanntes Bild aus Westernszenen oder auch mit dem darunterliegenden, schnäuzigen Sombrero tragenden Mexikaner.

Ein anderer aussergewöhnlicher Anblick bietet der pfahldünne, verschnörkelte Cirio, das höchste Gewächs der Baja. Noch viele kleinere Kakteen wachsen hier im dürren Hinterland, die scheibenförmigen Opuntien, sowie die familiären hellgrün pelzigen Chollas und weitere rot dornige fassförmige Spezies. Natürlich dürfen in diesem reichen Kakteengarten die Yuccas mit ihren langen Stengeln und die mexikanische Agave nicht fehlen.

In Cataviña, im Parque Natural del Desierto Central de Baja California, auf einem heruntergekommen Campingpark, geniessen wir mitten der Kakteenlandschaft die feuerrot untergehende Sonne.

Zurück an der Westküste erreichen wir die schön gelegte Manuela Bucht, die vor allem bei Snowbirds (Senioren aus Nordamerika) beliebt ist. Die Snowbirds erkennt man vor allem an ihrer braungebrannten Haut und ihren ausgewaschenen, amerikanischen T-Shirts. Wir stellen uns bei den ausgedienten, ehemaligen Fischerbaracken gratis für die Nacht hin.

In Guerrero Negro wird Meersalz abgebaut und ist zudem zwischen Januar und März ein Wal-Besucher Ort, in diesem Zeitpunkt bringen die Walkühe ihre Jungen zur Welt und sind gleich wieder paarungsbereit. Leider sind wir für dieses Schauspiel zu früh dran, so fahren wir nachdem wir unsere Vorräte aufgefüllt haben gleich weiter nach San Ignacio. Diese einstige Jesuitenmission liegt in einer grünen Dattel-Palmenoase. Das grüne Wunder inmitten der Wüstenlandschaft ermöglicht ein unterirdischer Fluss. Wir besichtigen die eintürmige, aus Lavastein gebaute Kirche und spazieren durchs sympathische, verschlafene Städtchen.

In Santa Rosalia einem ehemaligen Kupferminenort erreichen wir das erste Mal den Golfo de California. Santa Rosalia ist ein im französischen Kolonialstil erbautes Städtchen, doch das Ortsbild prägt die aussergewöhnliche Santa Bàrbara Kirche, die persönlich von Gustave Eiffel entworfene Kirche aus Stahlfertigteilen, die im Jahre 1895 von Frankreich nach Mexiko als Fertigkirche verschifft worden war. Auf der Strasse essen wir an einem Stand einen Landes typischen Taco. Ein kleines rundes aus Maismehl bestehenden Fladenbrot, gefüllt mit Fleisch, Guacamole (Avocadosauce) Zwiebeln, frischem Koriander, Tomaten und scharfer Chilisauce, dazu isst man Radieschen und frische Gurken. Sehr lecker und obendrein noch gesund, endlich mal guter Fast-Food...

Nun sind wir aber auf der Suche nach einem schönen Strand an der Ostküste gelegen, an dem wir ein paar Tage Badeferien verbringen möchten. Wir fahren entlang der Küste und stechen in der Bahìa Santa Ines ans Meer, ein menschenleerer Sandstrand erstreckt sich vor uns aus. An den vielen grossen, makellosen Muscheln erkennt man, dass sich nicht viele Menschen an diesem Strand aufhalten. Leider ist wegen der starken Unterströmung nichts mit Baden. Am nächsten Tag suchen wir deswegen weiter, in der von einer Halbinsel geschützten Bahìa Concepcion. Das Eldorado der Snowbirds, hier reihen sie sich am glasklaren Wasser entlang der schönen Playas públicas (öffentliche Strände) auf und verbringen hier monatelang ihre Zeit mit Fischen, Sonnen und Baden. Wir stellen uns auf die Sandzunge der Playa El Requesón, dieser einzigartiger Strand hier ist von zwei türkisblauen Buchten umgeben. Hier werden wir unser lang ersehntes Strandleben verbringen, zusammen mit Aussteiger, Musiker, Veganer und natürlich den braungebrannten nordamerikanischen Snowbirds. Die Bilder sprechen für sich...


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Von Alaska nach Feuerland, Powered by Joomla!