Reisebericht 12 USA / Colorado / Arizona Drucken E-Mail

Flagge USANach dem nächsten National Park folgt der nächste Staat und wir werden begleitet mit Klassikern aus den 60er und 70er Jahren ausgestrahlt von einer Radiostation aus dem Staat Colorado.

 

Es erwartet uns der kulturhistorisch Mesa Verde NP mit den grossen Steinbehausungen der Anasazi Indianer. Doch schon bei der Anfahrt über die 30km steile Passtrasse, entlang von verbranntem Walde welches das Gebiet weitflächig dominiert, merken wir das der Name nicht mehr passt Mesa Nero wäre zeitgenössischer. Am Visitor Center (Besucherzenter) angekommen erfahren wir, das der eine Teil des Parkes bereits geschlossen ist und der andere nur durch kostenpflichtige, geführte Touren zu besichtigen ist, Abzockerei! Wir steigen hinter dem Gebäude zu den einzig gratis Steinsiedlungen hinunter die unter strengen Augen der Ranger (Parkhüter) bewacht werden und fahren anschliessend zur Aussichtsplattform vom Cliff Palace (Klippenpalast).

Wir bleiben genau einen Tag in Colorado und fahren dann durchs karge nutzlose Land des Navajo Indianer Reservats zurück nach Utah. Es erstaunt einem daher nicht, dass am Strassenrand haufenweise leere Alkoholflaschen herumliegen, falls Bodenschätze vorhanden sind, gehören sie ab 70cm Tiefe eh dem Staat. Wir erreichen bei Dunkelheit den Goosenecks State Park und stellen uns nahe der Schlucht hin. Am sonnigen Morgen schauen wir vom Aussichtspunkt aus den Mäander des San Juan River (Fluss) an. Das eindrückliche Valley of the Gods (Gottestal) liegt einladend nett nur ein paar Meilen entfernt daneben. Auf einer 17 Meilen langen teils argen Wellblech Sandpiste erkundigen wir die kleinere Version vom Monument Valley. Weiter schleppt sich unser Troopy auf ein weiteres Hochplateau hinauf, auf dem der Natural Bridges National Monument liegt. Drei Steinbögen mit verschiedenem Alter, Dicke und Spannweite sind zu besichtigen. Durch das dieser Park mit dem Interagency Pass (NP Jahrespass) und den Eintritten der umliegenden NP gratis ist, nicht überrennt wird von Reisecars, schöne, kurze Wanderungen zu den Steinbögen bietet, können wir den nur Wärmstens weiter empfehlen. Im Allgemeinen empfinden wir die kleineren, unscheinbaren Parks freundlicher, interessanter aufgebaut, meist mit kleinen Museum, hilfsbereiten Ranger und dies in einer intakten Natur, keine Waldbrände etc. wie das leider bei den Grösseren vielmals der Falls ist.

Nun zur Hollywood Film Kulisse schlechthin, dem Monument Valley. Bekannt aus vielen John Wayne Western und Neueren wie der Roadmovie „Thelma and Louise“. Der Park liegt ganz in den Händen von den Najavo Indianer, am Eingang werden wir von einem Native mit einer rosa gläsernen Brille um 10 Dollar erleichtert. Beim Visitor Center angekommen befindet man sich in der Welt der Indianer, das bekannte Amerika ist weg, man hat das Gefühl man sei direkt in Mexiko gelandet. Die Najavos organisieren Truck Touren durchs Monument Valley. Kaum ist ein Reisecar voll Touristen angekommen, ist es mit der Gemütlichkeit bei den Navajos vorbei und sie kommen in die Gänge. Sie verfrachten die Touristengruppe auf die offenen Trucks und brausen los zur sandigen, holprigen Schotterpiste durch die berühmten Felsen. Mancher Tourist bindet sich einen Schal oder Decke was halt gerade zur Verfügung steht als Staubschutz um den Kopf, dass man schon fast von einem Beduinen reden könnte. Zwischen den Felsen haben die Indianer Schmuckstände aufgestellt an denen die Touristen Trucks gerne einen längeren Stopp einlegen und in Scharen bestürmen die Touris dann auch die rundlichen Navajo Frauen, die am Ende dankbar in allen Sprachen sich winkend verabschieden.

Wir fahren selbstverständlich die Strecke selber, wenn wir auch nicht um alle Felsen herumkurven dürfen, genügt es uns was wir auf der 17 Meilen langen Strecke Alles zu sehen bekommen.

Am Abend fahren wir zum Navajo National Monument, auch dieser wird nur von Indianer verwaltet und stellen uns auf den schönen, inmitten von Kieferbäumchen, fast leeren Campingplatz. Der Tag darauf beginnt föhnig, wir haben dementsprechend schlecht geschlafen. Trotzdem machen wir den kurzen Spaziergang im Park zu weiteren Anasazi Indianer Felsensiedlungen die sich unter einem riesigen Felsvorsprung befinden. Wieso zum touristischen Mesa Verde fahren, wenn sich hier etwa das Gleiche befindet und erst noch mit zwei wunderschönen Gratis Campingplätze.

Wir staunen nicht schlecht über die grossen Dwellings wie diese Höhlendörfer auch genannt werden. Anhand von Pflanzeninfotafeln auf dem Weg dorthin erfahren wir auch noch was über die Nutzen und Heilkraft der jeweiligen Pflanzen. Hinter dem Visitor Center steht eine Najavo Lehm-Schwitzhütte, eine grössere im gleichen Stil gebaute Zeremoniehütte sowie versteinernde Fussabdrücke von Dinosaurier die in diesem Gebiet einst durch gestampft sind. Im Besucher Center werden wir freundlich von einem Najavo Ranger begrüsst, können im kleinen Museum die Werkzeuge, Töpfe, Schmuck und sogar Flechtsandalen (mit hochgezogenem Zehenschutz !) der Anasazi Siedlungen bestaunen. Im hinteren Teil des Gebäudes sitzen drei ältere Indianer Frauen die sich mit archaischem Handwerk beschäftigen, die eine töpfert, eine andere sitzt an einem Webstuhl und die Dritte bastelt den typischen Indianer Schmuck. Dabei unterhalten sich die Frauen über die Heirat Zeremonie verschiedener Kulturen und das es überall ums Gleiche geht. Ich hätte am liebsten die Frauen umarmt, egal um welche Religion oder Kultur es sich handelt es läuft eh immer aufs Selbe heraus, wir könnten uns mit dieser Lebensansicht all die schrecklichen Kriege ersparen.

Der Wind ist seit Tagen ein stetiger Begleiter so auch wieder als wir uns durchs Indianerland zum Grand Canyon NP begeben. Wir finden zum Glück einen guten Radiosender aus Tuba City, auf dem hören wir zum ersten Mal seit Reisebeginn gute technoide Musik die Indianer unterlegen diese mit traditionellen Gesängen, weiter strahlen sie psychedelischen 70er Jahr Rock, revolutionären Punk und guten Country Folk aus, doch leider verlieren wir den Sender nach einem Hügel. Vielleicht hätten wir in Tuba City, als wahrscheinlich einzige Weisse unter Rothäuten, unser Tanzbein schwingen sollen...

Grand Canyon der wohl meistbesuchte NP von Amerika. Es ist Herbst und der Ansturm ist vorbei, so haben wir diese gewaltige Schlucht, abgesehen von ein paar andere Nasen, fast für uns alleine. Wir fahren den South Rim entlang und fotografieren bei tief stehender Sonne die Landschaft.

Was wäre Amerika ohne Strassen, Nichts. So fahren wir zur Mutterstrasse der einst führenden transkontinentalen Landstrasse von Chicago nach Los Angeles, die viel besungene Route 66.

In Williams und kurz vor Seligman, verlassen wir die langweilige immer geradeaus führende 4spurige Interstate und nehmen die historische Route 66. Wir schauen uns Autos aus den 50er Jahren, Tankstellen die heute als Route 66 Kitsch und Souvenirgeschäfte umfunktioniert wurden, Burgerbuden mit Schildern und Tafeln voll genagelt und ausgedienten WC Schüsseln im Garten an. Manche ausgediente Mannequin Schaufensterpuppe hat in sexy Strapsen eine neues Funkton als Vorderdach Gallionsfigur gefunden. Doch die beste Show bietet eindeutig Oatman, nur schon die Anfahrt über die nun kurvige Route 66 die sich wie eine Schlange um den Kakteen und Sukkuleen reichen Hügel windet. Das Town sieht im ersten Augenblick nicht anders aus als andere historische Minenkäffer die wir bis jetzt zu Gesicht bekommen haben. Eines sticht aber sofort heraus, die nachgespielte Westernshow auf der Strasse. Drei verkleidete Männer als Cowboy, Bandit und Sheriff bieten sich auf der Strasse vor der alten Westernbudenstadt eine „Käpslipistole“ Schiesserei. Unter den Zuschauer befinden sich nicht nur Touristen, nein eine Einheimische meint zu uns, dass sie diese Show einfach liebe, auch dies Esel die das Bild im Dorf bestimmen stehen in der vordersten Reihe und schrecken nicht mal beim Geknalle der Platzpatronen auf. Wir schlendern auf den Holzbretter-Trottoirs hin und her und warten, bis wir ohne Knall mit unseren Kameras ein gutes Bild der Western inspirierten Szene schiessen können. Ab und zu wird man dabei von einem frei herumlaufenden, bettelnden Esel angerempelt der dich wortlos bittet, zu dem Herrn mit dem „ten Gallon Hat“ (Cowboyhut) zu gehen um dort ein Sack Rüebli zu kaufen. Wir verlassen aber das ehemalige Goldminenkaff noch bevor wir ernsthafte Probleme mit Mensch und Tier bekommen.

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Von Alaska nach Feuerland, Powered by Joomla!