Reisebericht 10 USA / Washington / Oregon / Nevada Drucken E-Mail

Flagge USANach einem zweiwöchigen Aufenthalt in Vancouver betreten wir amerikanischen Boden.

 

Der längere Aufenthalt ist auf unseren neuen Turbo zurückzuführen, den wir in Kanada einbauen liessen. Der Turbo-Kit aus Australien, dem Land der Troopys, macht unseren Motor effizienter, weniger Verbrauch, leiser und mehr Kraft. Somit können wir mit dem schnellen Verkehr einigermassen mithalten und kommen jetzt mit unseren 4 Tonnen auch problemlos grössere Steigungen hinauf ohne das der Motor zu glühen anfängt.

Dabei nutzen wir noch die Gelegenheit einer Werkstatt, in der wir uns frei bewegen können, um noch ein paar Wartungs- und Servicearbeiten selbst am Troopy vorzunehmen. Nach über 20.000 km Kreuz und Quer durch Kanada und Alaska waren diese auch fällig.

An der amerikanischen Grenze läuft fast alles wie erwartet ab, ausser das wir unsere Visums um ein halbes Jahr verlängern wollen und dazu die Fingerabdrücke und das Gesichtsfoto neu im Computer erfasst werden müssen. Nichts Aussergewöhnliches an der amerikanischen Grenze, doch als der Zöllner, nach längerem Suchen, die Länderabkürzung für die Schweiz nicht finden kann und uns naiv fragt ob Schweden nicht das Gleiche wie die Schweiz sei, da muss ich mir das Lachen aber vehement verkneifen. Erst nachdem ihm Adriano die Abkürzung CH sagt, findet der verdutzte Grenzbeamte die Schweiz auf seiner Länderliste.

Wir fahren auf einer Zickzack Strasse durch den aus Farmland und Wald bestehenden Staat Washington. Kurven um riesige Anbau-Felder herum und treffen auf einen Bubba (Hinterwälder), der in einem alten rostigen Ford Truck gemächlich vor uns her fährt, mit unserem Turbo-Troopy überholen wir den nun locker.

Auf einem Forest Park Campingplatz, weit draussen in der Natur, verbringen wir mit anderen Campern die erste kalte Nacht in den USA.

In Astoria im Bundesstaat Oregon sehen wir nach langem wieder den Pazifik. Wir setzen unsere Reise der Küste entlang fort. In Cannon Beach einem bei Ebbe unglaublich grossen flachen Sandstrand spazieren wir im Nebeldunst zu den 70m hohen Haystack Rocks (Felsen). Eine Traumhaft schöne Küstenlandschaft und dazu die frische salzige Pazifik Brise die unsere Körper neu belebt.

Leider ist es nicht überall so schön wie an der Küste, im Landesinneren sieht es zum Heulen aus, grossflächig werden hier die Wälder gerodet. Überall liegen Kreuz und Quer abgesägte Bäume herum, einzelne Tannen stehen umgeknickt auf dem zu Sand werdendem Untergrund herum, ein trauriger Anblick.

Wir wechseln daher wieder an die Küste zurück und fahren durch eine sagenhafte raue Klippen-Landschaft bis nach Florence. Von dort aus breiten sich grosse kilometerlange Sanddünen aus, doch ans Baden ist bei diesen frostigen Temperaturen des Pazifiks nicht zu denken. In Reedsport verlassen wir das Meer für eine längere Zeit und fahren durch langweiliges Farmland bis wir in der Nähe von Scottsburg einen schönen Campingplatz inmitten eines grünen, moosigen Waldes finden.

Dieser gratis Übernachtungsplatz haben wir aus unserem genialen Buch „free Campgrounds“, meistens befinden sich diese Plätze in den National Forests, und nur über eine enge kurvenreiche Schotterstrasse erreichbar, sodass die grossen luxuriösen Motorhomes (Reisecar-Wohnmobils) nicht dorthin gelangen. Es gibt nichts schlimmeres als Mitten im Walde der Lärm eines Generators und das Gekläffe eines Schoss Hündchens.

Eigentlich wäre der Crater Lake mit dem tiefsten See von Amerika als nächster Nationalpark auf dem Plan gestanden. Doch als wir die Cascade Range (Hügelkette) überqueren regnet es wie aus Kübel gegossen. So umfahren wir diesen National Park und übernachten auf dem Parkplatz von Wal-Mart in Klamath Falls. Anstatt Naturkunde betreiben wir Menschenkunde. Und die ist auch interessant, vor allem in einer amerikanischen Kreuzung von Aldi und Jumbo wie Wal-Mart.

Im Laden sieht man so fette Menschen, die sich nur noch in extra zur Verfügung gestellten Elektroeinkaufsstühlen fortbewegen können und dabei die Angestellten als zur Hand reichenden Diener benutzen. Die Mehrheit der restlichen Kundschaft ist stark parfümiert und in viel zu engen Trainerhosen gekleidet, die älteren Damen haben zu viel Make up aufgetragen und tragen das Haar in einem hell orange Touch. Die Natives (Indianer) schlurfen in der Frischfleischabteilung umher greifen zu wenn sie das passenden Fleischstück gefunden haben, oder, noch Klassischer, sie halten sich in der Campingabteilung auf und stocken ihr Jagd Interiör auf.

Eins erstaunt uns immer wieder, egal in welchem grösserem Laden wir einkaufen, eine riesengrosse, farbige Auswahl an frisch duftenden Sorten von Gemüse und Früchte und dazu noch perfekt präsentiert empfängt uns beim Eingang. Einladend ist auch die Fisch- und Fleisch Abteilung, saftige Steaks aus bestem Angus-Rindfleisch und frischen Alaska Lachs für nur ein paar Dollars liegen in den Kühltruhe. Dazu kommt noch das man nie Verfaultes findet, was bei unseren Läden zuhause meistens der umgekehrte Fall ist. Nach einer Woche in unserem Kühlschrank und über Stock und Stein durchgeschüttelt ist die Ware stets noch knackig und frisch. Bei uns in der Schweiz verfaulen die „frischen“ Sachen schon nach zwei Tagen im Kühlschrank. Hier könnten unsere Monopolisten Migro und Coop wirklich noch einiges dazulernen.

Ganz zu Schweigen von den restlichen Sachen die man kaufen kann, der Wal-Mart führt sogar, zu unserem Entsetzen, eine Auswahl an Waffen aller Art, naja dafür strikt keine Tabakwaren.

Nach dem Aufstocken unserer Essvorräte durchfahren wir bei ersichtlich besserem Wetter die Ortschaft Bonanza und es sieht tatsächlich so aus wie in der gleichnamigen TV-Serie: Weites, senfgelbes Prärieland und Hügel mit trockenen Dornbüschen.

In Lakeview spürt man den Cowboy Geist erst richtig, wir füllen unseren Wassertank auf, füttern den Troopy und reiten gemächlich weiter den Pass hinauf, bis wir zu einem Skigebiet gelangen.

Die Nacht ist bitter kalt, unsere Zentral-Heizung hält uns zum Glück wohlig warm. Nach den letzten Hügel erreichen wir endlich die von uns geliebte Weite des Deserts (Wüste).

Auch das Klima bessert sich auf der Stelle, von nass und kalt wird es schlagartig heiss und trocken.

Wir fahren nun alles schnurgerade bis zur nächsten Kreuzung die bereits von 30km weit her ersichtlich ist, links und rechts der Strasse nur Büsche, vereinzelt wilde Esel und ein grosser Adler der vor uns über die Strasse segelt. Auf dieser Öde kommen wir nun in den Gambler (Spieler) Staat Nevada. Am frühen Abend treffen wir auf die in Mitten von Sanddünen gelegene Ortschaft Winnemucca.

Wir setzten unsere Weiterfahrt auf dem Interstate (Autobahn) durch die endlose Weite dieses Landes bis nach Wells fort. Die Entfernungen sind für uns Europäer verblüffend, 200 km bis zur nächsten Ortschaft, meistens bestehend aus einer Kreuzung mit einer Tankstelle und ein paar Häusern, sonst nichts.

Das Wetter bleibt auf unserer Seite, um Mittags herum brennt die Sonne so stark, dass wir richtig ins Schwitzen kommen, und uns veranlasst die verstaubte Sonnencreme aus dem hintersten Teil der Kabine zu suchen.

Wir befinden uns nun Richtung Süden auf dem HWY 93 durch das sandige dornbuschige Steptoe Valley (Tal) den Butt Mountains (Berge) entlang. In der Ferne sehen wir die 3000 Meter hohen weiss beschneiten Bergspitzen der Currant Mountain. Ein grandioser Anblick. Am Rande der Schell Creek Range (Hügelkette) campieren wir an einem plätschernden Bach inmitten von Föhren.

In Ely nehmen wir den HWY 50 auch bekannt als alt HWY 6 „the Loneliest Road“ und stechen nach. ca. 50km wieder auf den südlichen HWY bis nach Pioche.

Einem ehemaligen, sogenannten Mining Boomtown (schnell wachsende Minenstadt). Der warme Präriewind weht uns um die Ohren als wir durch dieses 800 Einwohner grosse Kaff schlendern. Auch hier sind die Einheimischen bemüht, zwecks Informationstafeln und Fotografien, Anno 1870 in Erinnerung zu rufen, als noch die Revolver Helden den Ort in Angst und Bangen hielten. An den meisten alten, windschiefen Holzhäuser wird dessen Vergangenheit genau beschrieben und in den Schaufenster stehen alte Relikte wie zum Beispiel der Zahnarztstuhl mit dem fussbetriebenen Bohrern herum. Aus den beiden Saloons kommt uns eine Brise Bier mit Zigarettenrauch vermischt in die Nase, weiter unten beim ehemaligen Theater, das gerade restauriert wird riecht es nach frischer Farbe und Holzspäne. Wir spazieren den Hügel hinauf bis zur alten Mine und bestaunen die rostige Seilbahn, mit der die grossen Steinbrocken über den Hügel befördert wurden. Im oberen gelegenen Teil des Ortes erreichen wir das alte Einsturz gefährdete Grand Hotel, mit dem Piano auf der Veranda, das höchstwahrscheinlich nur noch vom einzigen Gast einem Clochard benutzt wird. Nebenan steht das berüchtigte 1 Million Courthouse (Gerichtshaus), das nach langem hin und her und nach mehreren Kreditaufnahmen im Jahr 1937, nach 65 Jahren Bauzeit, für eine Million fertig erstellt wurde. Der Skandal war aber nicht nur der hohe Baupreis sondern auch, dass es nie als Gericht benutzt wurde. Da bereits weiter unten im Dorf ein neues, der Zeit entsprechendes klimatisiertes Gericht fertig gebaut wurde. Das Alte bestehend aus bestem roten Backstein dient heute nur noch als Ortsmuseum.

 

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Von Alaska nach Feuerland, Powered by Joomla!