Reisebericht 09 Canada / British Columbia Drucken E-Mail

Flagge KanadaAlaska lassen wir hinter uns und sind nun wieder in Kanada im nördlichen Staat Yukon angelangt.

 

Die Strassen sind wie leer gefegt, selten kommt uns ein Auto entgegen. Es ist Saisonende, die meisten Roadhouses und Campingplätze haben bereits das „closed“(geschlossen) Schild aufgestellt. Auch in der Natur macht sich dies bemerkbar. Die Birken tragen nun ein sonnen gelbes Blätterkleid, der Herbst hat hier oben Einzug gehalten. Nur ein einsamer, grosser Schwarzbär trottet gemütlich über den HWY und verschwindet sofort wieder im Unterholz. Wir stellen uns für die Nacht an die Ufer des Kluane Lakes inmitten den herbstlich gefärbten Büschen.

Weiter auf der Verbindungstrasse nach Tok treffen wir zwei Deutsche Töfffahrer an, die das gleiche wie wir vorhaben, die Panamericana Route, nur wollen sie das Ganze in nur 4 Monaten bewältigen. Wir schwatzen kurz miteinander und dann brausen sie mit ihren BMW`s von dannen.

Wir passieren Ortschaften wie Whitehorse und Watson Lake zum zweiten Mal, tanken an vertrauten Tankstellen und fahren im Nieselregen weiter.

Auf dem wenig befahrenen Cassiar HWY im südlicheren Staat British Columbia verändert sich die Umgebung, es sieht ähnlich aus wie bei uns in den Alpen. Ausser das am Strassenrand sich Schwarzbären aufhalten, so viele das wir aufhören diese zu zählen, praktisch alle 5 Minuten treffen wir einen, der sich mit dem frisch gemähten Gras am Strassenrand voll stopft.

In der Nacht werden wir nicht unweit von HWY von Wölfen in den Schlaf gesungen, das klingt etwa so; der Leitwolf setzt an und das Rudel folgt ihm auf gleicher Stimmlage, dies hat überhaupt nichts Furcht erregendes an sich.

Wir kommen am Skiort Smithers vorbei, was anscheinend auch mit der Schweiz verglichen wird, es hat Chalet und Bergen und der Supermarkt verkauft Schweizer Schokolade und Käse, was praktisch jede grössere Einkaufskette in Kanada im Angebot hat.

Nach dem Ort Prince George ist es vorbei mit der einsamen Natur wir befinden uns wieder im flachen Farmland. So weit das Auge reicht sehen wir Weideland mit gefleckten Kühe darauf und „Keep out“ Verbotsschilder. Um die Ortschaft Quesnel herum raucht es aus den Schloten von den vielen Holzfabriken. Auf dem Rodeoplatz wird die jährliche Herbst Viehschau durchgeführt. Was nicht heisst, dass hier nur die Tiere zu Schau gestellt werden, es gibt auch ein Dressur Reiten und ein kleines Rodeo, das wir leider verpasst haben. Wir kommen gerade noch rechtzeitig zu den Holzfäller Spielen, können mitverfolgen wie die Männer gegenseitig ihre Kräfte messen, im Holz sägen, in Boden versenkte 15m hohe Baumstämme mit Steigeisen hoch klettern und anschliessend diese mit Axt und Motorsäge fällen. Weiteres Spiel bei dem auch Kinder mitmachen können, wird in einem Wasserbassin abgehalten in dem ein Stamm schwimmt. 2 Teilnehmer steigen mit Hilfe einer Holzstange gleichzeitig, auf den Stamm hinauf, sobald der ältere Moderator das Startzeichen ins Mikrofon krächzt, werden die Stützstangen weggezogen und die Beiden balancieren auf dem im Wasser drehenden Stamm bis der Erste ins kalte Wasser fällt. Von der Tribüne aus, inmitten von Farmern die mit John Deere Kappen (Landwirtschaftsgeräte Marke) und Gummistiefel dasitzen, ist es amüsant dem Treiben zuzusehen.

97km entfernt erreichen wir die Geisterstadt Barkerville, die grösste Stätte der Goldrauschzeit, den dieser Teil der Welt je erlebt hat. 1916 gute 60 Jahre nach dem Höhepunkt des Goldrausches, wurde die Stadt durch ein Grossfeuer zerstört. Heute ein knappes Jahrhundert später sieht Barkerville fast so aus wie damals. Das ganze Städtchen wurde Originalgetreu wieder aufgebaut mit verkleideten Darsteller und Wild Western Theater. Nur auf das Feuerwasser (Alkohol) muss verzichtet werden, der wird im Saloon nicht mehr ausgeschenkt. Wir stechen von dort aus auf die Forest Dirt Road (ungeteerte Waldstrasse) und fahren ins ehemalige Goldminengebiet, obwohl hierbei erwähnt werden muss, die Goldsuche ist noch lange nicht vorbei. irgendwie krank, Flüsse und Hügel werden aufgewühlt oder gesprengt dies in der Hoffnung auf ein ein paar Goldnuggets.

Die Natur in diesem Teil von Kanada ist wie im Bilderbuch, glasklare Bäche mit riesigen Fischen, tiefblaue, klare Seen umgeben von dichten Wälder die vor den Cariboo Mountains (Berge) liegen.

Wir treffen am Ende der Dirt Road auf einen weiteren viel weniger spektakuläreren Geisterort nämlich auf Quesnel Forks, der Name kommt daher, weil hier zwei Flüsse aufeinander treffen. Auf einer Infotafel erfahren wir, dass dieser Ort vor  dem Goldrausch ein Sommerplatz von 3 Indianerstämmen war. Den sie unfreiwillig verlassen mussten als die Goldsucher Funde machten und dies im damaligen Gastown (Vancouver) weitererzählten, so das bald scharenweise Menschen sich auf den nicht ungefährlichen Weg hier hin aufmachten und den Ort gründeten. Später trafen auch noch die Chinesen ein, falls diese nicht in der Mine buddelten, so eröffneten sie ein Geschäftslokal. Ich sehe dies bildlich vor mir, wie in den Lucky Lucke Comics. Heute bemühen sich die Bewohner von 10km entfernten Likely dem Ort wieder ein wenig Leben zurückzugeben, indem sie die verfallenen Holzhäuser restaurieren. Wir schauen uns auf dem Friedhof die Gräber genauer an und staunen nicht schlecht das hier vor 50 Jahren die letzten Goldgräber begraben wurde. Sogar jetzt lebt noch eine Person in diesem verlassen Ort. Wir fahren weiter auf der Forest Roads durch dieses Seen reiche Gebiet, bis wir kurz vor dem Ort 100 Mile auf den geteerten HWY treffen.

Es ist endlich mal sonnig und zwar den ganzen Tag ohne Unterbruch, wir sind wieder in den Grasslands (Prärie). Am frühen Abend treffen wir in Clearwater am Tor des Wasserfall reichen Provincialparks ,Wells Gray, ein. Wir campieren für die Nacht in der Nähe eines Wasserfalles inmitten von hohen Igelkraftwurz Sträuchern, die Beeren dieses Strauchs sind für Menschen ungeniessbar. Bären sind in dieser Hinsicht anderer Meinung und vertilgen die rohen Früchte mit Begeisterung.

Am darauf folgenden Morgen fahren wir zum ersten Wasserfall, dieser stürzt hier über eine Kante im Lavagestein 70m in die Tiefe. Der zweite Wasserfall den wir besichtigen ist nur über einen 2,9km langen Fusspfad durch den Wald erreichbar. Somit ist dieser eher wenig besucht und wir können diesen für uns alleine geniessen. Bei wärmeren Wetter hätte dieser zu einem erfrischenden Bad eingeladen. Weiter besuchen wir die bekannten Fälle, wie der Dawson Fall das Wasser vom Murtle River (Fluss) stürzt hier auf einer Breite von 90m herunter, ähnlich wie unser Rheinfall in Schaffhausen. Der imposanteste ist der Helmcken Fall, dieser stürzt von der schmalen Abruchkante 137m tief in die Schlucht herunter, verglichen mit den Niagarafälle ist dieser 2½ mal höher. Wir stehen auf der Aussichtsterrasse und staunen über dieses Naturwunder. Mit den Stromschnellen am Bailey's Cute, bei dem die Lachse die Schnellen flussaufwärts hochspringen um an ihre Laichplätze zu gelangen, beenden wir unseren sonnigen Tag im Wells Gray Provincal Park.

Von dem grünen wasserreichen Park fahren wir nun in die sandige trockenen Hügellandschaft entlang vom Kamloops Lake. Das Tal verengt sich im Verlauf der Fahrt zunehmend. Die Strasse klebt nun hoch oben am Berghang, während die Schienen der Eisenbahn unten an den Ufern entlang führen. Wir sehen uns noch die nostalgische Alexander Bridge an, die langsam vor sich hin rostet und den guten Zeiten nach trauert an dem sie die Cariboo Wagon Road (Verbindungsstrasse der Goldgräber) sicher über den Fraser River (Fluss) führte.

Kurz vor Sonnenuntergang erreichen wir Maple Ridge einen Vorort von Vancouver. Den Tag darauf erkundigen wir die Umgebung und finden den Golden Ears Provincial Park, ein Urwald, märchenhaft wie hier das Moos über die Steine und Baumstrunks wächst. Dazwischen Farne und verschiedene Pilze. Wir stellen uns für die Nacht an den Rand des Waldes und träumen von Waldfeen und Gnomen. Am sonnigen Morgen wecken uns die Vögel und wir nehmen eine heisse Dusche in unserem Camper. Ich stelle mich danach in die Sonne und bürste meine Haaren, als ich irgendwas im Gebüsch knacken höre, ich tippe auf ein Eichhörnchen die zahlreich auf dem Bäumen umher springen. Danach setze ich mich zu Adriano in den Troopy um mein Müesli zu essen. Doch dann raschelt es vor dem Auto, Adriano schaut zum Fenster hinaus und sieht schwarz, und meint ein grosser Schwarzbär stehe direkt vor dem Auto. Der Bär streckt seine Gumminase in die Höhe und schnüffelt in der Gegend herum, doch sobald er uns im Auto sieht rennt er zurück in den grünen Wald. Wieder mal in einem Gebiet wo laut der Parkinformationstafel, Bären eher selten gesichtet werden. Es liegt wahrscheinlich an unseren fein duftenden Shampoos das den Bären tief aus dem Wald lockt, ein Bär riecht Kilometer weit und fährt voll auf Kosmetikprodukte ab. Die strikten Anweisungen der Ranger (Parkförster) an die Zeltcamper sind ernst zunehmen, Essen, Kosmetikprodukte, die Kleider die nach Essen riechen sowie der Abfall gehören mindestens 100m weit weg vom Zeltplatz, wir hatten bereits zweimal unmittelbar nach dem Duschen im Auto Besuch von Meister Petz...

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Von Alaska nach Feuerland, Powered by Joomla!