Reisebericht 06 Canada / Yukon Drucken E-Mail

Flagge KanadaEndlich sehen wir sie, lange ist es her seit wir den letzten gesichtet haben.

 

Natürlich meine ich die Bären, wir sind ja schliesslich in Kanada. Wir sehen diese selbst entlang des stark befahrenen Alaska Highways. Zuerst eine Braunbärin mit zwei Kleinen, die aber bei unserem Stopp sofort im Wald verschwinden. Einen Halbwüchsigen der auch die Flucht ergreift als wir unsere Fenster öffnen und mit den Kameras heraus lehnen. Doch dann, stossen wir auf den Meister Petz der sich nichts aus uns macht und seelenruhig die Sträucher nach Beeren durchsucht. Wir können diesen einen ganze Weile aus sicherer Entfernung beobachten und fotografieren, auch als andere laut sprechende Touristen heranfahren und schlurfend sich in die Nähe des Bären begeben. Der aber geniesst weiter seine roten Beeren und buddelt mit seinen scharfen Krallen nach weiteren Leckerbissen in der Erde.

Nicht nur in der Tierwelt hat sich was verändert seit wir die Provinz Yukon erreicht haben, auch die Landschaft zeigt neue Facetten. Berge erscheinen am Horizont, glasklare, türkisfarbene Seen liegen vor uns und eisig kalte Bäche stürzen die steilen Hänge herunter.

In Watson Lake steht der grösste Schilderwald der Welt. Ich mache mich auf die Suche nach Schweizer Ortsschildern und stelle dabei fest, dass es schon lange her ist seit ich mich das letzte Mal mit Schweizer Geografie beschäftigte. Am nächsten Abend finden wir eine lauschige Übernachtungsmöglichkeit am Morley River Lake, auf einem der gratis vom Staat zur Verfügung gestellten „Municipal Campground“, der wie die 12-19 Dollar teuren „Provincal Park Campground“ ein Plumpsklo, Picknicktische und Feuerstellen zur Verfügung stellt. Vielleicht liegt der Unterschied darin, das die Municipal Plätze nicht so einfach zu erreichen sind, meist über eine schmale Schotterpiste und das Feuerholz muss auch selber im Wald gesammelt werden. Wir dinieren unseren gekauften Lachs zum Abendessen und erfreuen uns ab dem herrlichen Ausblick auf den spiegelglatten See. Während ich noch mit dem Abwasch beschäftigt bin, da ruft es plötzlich von draussen her. Adriano ist wohl nicht in die Klauen eines Bären geraten, nein an seiner Angelrute hängt ein 50cm Hecht, die Aufregung ist gross. Sofort muss ein Foto geschossen werden vom dem mit Sand bepuderten Fisch an der Angelrute. Eigentlich wollte Adriano nur kurz seine Angerute ausprobieren, einmal ausgeworfen und schon war der Fisch am Haken. Petri Heil. Ehrlich gesagt, tat mir der Fisch irgendwie leid, so mit vollem Bauch hatten wir keinen Lust den Fisch zu töten, entschuppen und auszunehmen. So entschlossen wir den Hecht vom Haken zu befreien und zurück in den See zu werfen. Lieber setzten wir uns danach ans Feuer und verfolgten wie der Mond, hell und rund am dämmernden Himmel aufgeht. Was mich fasziniert ist, dass es bis Mitternacht nicht wirklich dunkel wird, man hat das Gefühl es sei immer noch Abend. So passiert es uns oft, das wir bis 3 Uhr nachts noch in unseren Reisebroschüren lesen und am nächsten Tag bis 11 Uhr im Bett liegen bleiben. Doch in der Vollmond Nacht werden wir vom Thermometer um 5 Uhr morgens geweckt, der uns mitteilt das Draussen 0 Grad ist. Unsere GFK Kabine dichtet ziemlich gut ab, wir haben immer noch 13 Grad und mit den kuschelweichen Federdecken hätten wir die Kälte draussen nicht mal wahrgenommen. Den Tag darauf, ein regnerischer Sonntag entschliessen wir uns nach den mit Ahornsirup getränkten Pancakes eine weitere Nacht zu bleiben verbringen den Tag mit lesen und spazieren. Unsere Zentralheizung haben wir nun nach der frostigen Nacht auf leicht temperiert eingeschaltet, unser „lazy Sunday afternoon“(fauler Sonntagnachmittag) ist vollkommen. Sonntag, so haben wir beschlossen wird in Zukunft unser Ruhetag sein.

Am Montag darauf erreichen wir auf dem Alaska Highway, Whitehorse, unterwegs sehen wir vermehrt rote Fähnchen neben der Strasse stecken die auf Permafrost Schäden hinweisen. Die Fahrbahn hat an diesen Stellen entweder tiefe Löcher oder Dellen was ganz klar auf die Klimaerwärmung zurückzuführen ist.

Der Silvertrail ist unser nächstes Ziel. Ein kleiner Abstecher nach Keno City, heutige Geisterstadt, aber um 1920 eine stolze Stadt mit der grössten Silbermine von ganz Kanada. Im kleinen Ortsmuseum (Holzschuppen) betrachtet man die alten Maschinen und schwarzweiss Fotos aus dieser Glanzzeit. Hinter der Geisterstadt führt eine steile Schotterpiste den Berg hinauf zum Keno Mountain, auf dem wir die Fernsicht zu den schroffen Bergen und ehemaligen Minen geniessen. Wir sehen von dort aus, dass es immer noch Verrückte gibt die nach dem grossen Silberglück schaufeln.

Weiter auf dem Klondike Loop geht es nach der Silberstadt zur Goldstadt, Dawson City, bei der Einfahrt fährt man durch eine gewaltige Kieshügellandschaft, Zeugen aus der Zeit als hier fleissig nach goldenen Nuggets gesucht wurde. Heute wirkt Dawson City eher wie eine Hollywood Kulisse in einem mittelklassigen Western. Nach Gold wird zwar in den privat abgesteckten Claims (Grundstücke) am Flussbeet nach wie vor gebaggert, doch der Ertrag ist lange nicht mehr so reich wie im Jahre 1898. Als die Goldsucher auf dem Weg dorthin, der mit einem Raddampfer über den Yukon Fluss führte, ihr Leben für die schimmernden Steinchen im damaligen Rabbit Creek (Bach), heute Bonanza Creek, aufs Spiel setzten. Damals war diese Stadt schon teuer und zählte mit 30'000 Einwohner zur grössten Stadt nördlich von San Francisco und westlich von Winnipeg. Für uns ist diese Stadt zu touristisch und nehmen die Fähre über den Yukon. Hier beginnt der Top of the World Highway der uns an die Grenze von Alaska führen wird.

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