Reisebericht 05 Canada / Alberta / British Columbia Drucken E-Mail

Flagge KanadaDer Übertritt in die neue Provinz Alberta stand schon von Anfang weg unter einem schlechten Stern.

 

Es begann mit einem gewaltigen Tornado den wir zum Glück nur am Rand streiften, der Regen prasselte so heftig auf die Windschutzscheibe das die Sicht wie in einer laufenden Waschmaschine war. Der Tag wurde zur Nacht und unser Auto zur Schaukelkiste.

Heil angekommen in Calgary, Gastgeber der Winterolympia im Jahre 1988, machten wir es uns für die Nacht auf dem grossen Parkplatz vor dem Wal-Mart bequem. Eigentlich war unser nächsten Ziel die Rocky Mountains mit dem Banff- und Jasper NP, doch dieses wurde abrupt durch unser Fahrzeug auf dem Canada Highway #1 gestoppt. Das vordere Rad ratterte und knackte sodass wir auf den Pannenstreifen fuhren und mit Schrecken feststellten, dass das Vorderrad wackelnd auf der Achse hing. Da weit und breit keine Ausfahrt in Sicht war und wir unter keinen Umständen so weiter fahren konnten, blieb uns nichts anderes übrig als die steile Grasböschung hinunter zu rollen und dort auf dem einigermassen festen Kiesboden den Wagen aufzubocken. Es sah gar nicht gut aus, das ganze vordere Radlager war zerstört, die Dichtungsringe hingen wie Fetzen herunter. Wir fluchten zuerst mal laut herum. Wir haben am Troopy praktisch alles selber ausgebaut und ausgerechnet die wenigen Reparaturen die wir in der Schweiz aus Sicherheitsgründen von spezialisierten Mechanikern machen liessen sind bereits kaputtgegangen oder haben nie richtig funktioniert und mussten nachträglich von uns ausgebessert werden. Leute die mich besser kennen, wissen nun genau was ich gedanklich am liebsten mit diesen Pfuschmechanikern aus der Schweiz gemacht hätte. Eine alte indianische Methode um den Fleischvorrat für den Winter vorzubereiten... Doch das nützt alles nichts, irgend eine Lösung musste gesucht werden, Abschleppen kam rein preislich nicht in Frage, weiterfahren sowieso nicht. Also blieben noch die Ersatzteile übrig. Adriano war sich nicht sicher ob er genau diese neu ausgewechselten Vorderradlager überhaupt dabei hatte. Tief unten im Schrank fanden wir die hoffentlich passenden Radlager. Die Alten, was noch davon übrig war entfernten und reinigten wir, dabei musste auch die beschädigte Bremsscheibe, die Radnabe und der Achsschenkel demontiert werden. Anschliessend fetteten wir die neuen, passenden Rollenlager ein und setzten diese unter der prallen Sonne auf die Achse zurück. Die ganze Arbeit dauerte 5 Stunden, in dieser Zeit hatte aber auch kein einziges Auto oder Lastwagen angehalten um uns Hilfe anzubieten. Dies bestätigte mir, dass der Durchschnitt der Kanadier die gleiche oberflächliche Mentalität wie die Amis pflegen.

Nach getaner Arbeit fuhren wir langsam die 80km nach Calgary zurück. Unsere provisorische Reparatur schien zu halten.


Vielleicht war es Schicksal, das wir vor Abfahrt in einem Quartier von Calgary nach einer Entsorgungsstelle für unsere portable Toilette gesucht haben und dabei auf 3 geparkte Toyota Landcruiser gestossen sind. Ein seltener Anblick im Lande der Dodge V8 Jeeps. Zu diesem Ort fuhren wir nun hin, womöglich ist dies ein Toyotaclub und die können uns irgendwie weiterhelfen. Denn die Rollenlager waren ja nur provisorisch montiert und die dazugehörigen Teile zerstört und mussten baldmöglichst ausgetauscht werden.

Es stellte sich heraus das diese Fahrzeuge einem ca.25 jährigen zugewanderten Schotten gehörten. Dan, so wie er heisst, konnte uns keinen guten Mechaniker empfehlen da er auch alles lieber selber macht, doch er hatte eine 2 Hand Vorderachse mit dem passenden Teilen daran für wenig Geld zu verkaufen. Das hiess für Adriano eine Nachtschicht in Dan's Garage einzulegen um die gebrauchten Teile von der Achse zu demontieren. Dabei übernachteten wir in unserem Fahrzeug im Garten vor seinem Haus. Am nächsten Tag surften wir im Internet, um nach einer geeigneten Garage zu suchen, dabei kamen immer wieder die freundlichen Nachbarn und der Pöstler auf einen Schwatz vorbei. Den ganzen Frust begruben wir am Abend bei einem gemeinsamen Barbeque und kanadischen Bier. Tags darauf suchten wir die nächstliegende Toyotagarage, doch diese waren nicht fähig uns zu helfen, eine andere 20km entfernte gleichnamige Garage war zwar spezialisiert auf Landcruiser, doch die konnten uns keinen Termin vor 3 Tage anbieten und waren obendrein sehr unfreundlich. So blieb uns nur noch das 300km entfernte Edmonton übrig, dort ist Kanadas grösster Landcruiser Ersatzteilverkäufer. Sollen wir es wagen mit unserem lädierten Fahrzeug dorthin zu fahren, was bleibt uns anderes übrig? Adriano schraubte alles wieder auseinander überprüfte die Teile nochmals und schraubte alles wieder zusammen, diesmal in einer halben Stunde. Wir verabschiedeten uns dankend von Dan und machten uns auf dem Weg.


Um halb zwei Uhr in der Nacht, begleitet von einem heftigen Gewitter erreichten wir problemlos Edmonton. Wir richteten unser Nachtlager gleich bei der 4-WD Garage ein. Der Troopy musste 2 ½ Tage dort bleiben, alle 4 Radlager, die vorderen Bremsscheiben und diverse andere Teile wurden vom Mechaniker mit Adriano`s Beihilfe ausgewechselt. Dabei kamen auch Dan`s Ersatzteile zum Einsatz, ohne diese Teile wäre die Reparatur zeitlich nicht so schnell möglich gewesen.


Diese Garage in Edmonton ist ein geheim Tipp in Kanada, für alle die einen alten Toyota fahren, siehe auch unter Link Toyota Landcruiser.

Wir durften während dieser ganzen Reparaturzeit in unserem Auto vor der Garage wohnen und konnten somit die teuren Übernachtungskosten in einem Hotel sparen. Dabei lernten wir noch den Techniker Ian von der Garage nebenan kennen und der lud uns spontan zu sich nach Hause ein. Da wir wieder mal Wäsche waschen und Duschen mussten, waren wir zuerst zurückhaltend, doch er und seine tschechische Freundin Hana blieben hartnäckig. Somit hatten wir mal die Gelegenheit die Kanadier privat kennen zu lernen und in einem 1.60m Bett zu schlafen.

Doch nach den 3 Tagen in dieser Stadt und mit neuen Ersatzteilen eingedeckt, wollten wir endlich wieder weiter ziehen, bis Alaska ist es noch ein weiter Weg.

Auf dem Highway #43 ging es nun zügig voran Richtung Norden. Unterwegs übernachten wir im nichts sagenden Nest “Valleyview“ und in der Nacht darauf in der erreichten Provinz British Columbia, in Dawson Creek auf dem Wal-Mart Parkplatz. Dawson Creek ist wieder mal eines der vielen Cowboykäffer wie wir sie nennen. Das einzige Sehenswerte ist die Meile O vom beginnenden Alaska Highway.

Nun kurz zur Geschichte von diesem historischen Highway, wie dieser im Milepost, Reise Bibel vom westlichen Kanada und Alaska, betitelt wird. Der offizielle Baubeginn des Alcan Highway so wie der militärische Name für diese Strasse lautet, war am 9. März 1942. Der Grund um das völlig unerschlossene Alaska an das nordamerikanische Strassennetz anzubinden war die amerikanische Befürchtung einer Invasion durch die Japaner über die Beringstrasse, nachdem diese am 7. Dezember 1941 Pearl Harbour komplett zerstört hatten. Anfangs 1943, nach kaum mehr als 8 Monaten Bauzeit schafften es die ersten LKW-Konvois die ganze Strecke von 2'417km hinauf zu fahren und am 31. Oktober 1943 wurde offiziell das Projekt Alcan beendet.


Der Anfang des Alaska Highway führt durch langweiliges Farmland. Danach beginnen die endlosen Nadelwälder, tiefen Flusstäler und steilen Berghänge bei denen wir unsere ersten Dallschafe sichteten. Unser Höhepunkt waren aber die Liard Hotsprings, die naturbelassenen von üppigem Grün umgebenen 42° und 52° heissen Pools mitten im Walde. Wir relaxten im heissen Wasser und liessen uns von den vielen Moskitos stechen. Kanadische Natur pur...

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